Hengsterholz - Heute nimmt man Zuckerrübensirup. „Das ist eine ziemlich glibberige Angelegenheit und hinterher muss man lange duschen“, weiß Antje Schippers. Aber es ist wenigstens kein Teer mehr, was die Mittelalterfreunde verwenden, wenn bei ihren Festen und Märkten das Urteil „Teeren und Federn“ gefällt wird.

Dazu wird es auch am 1. und 2. September auf dem Sportplatz in Hengsterholz kommen, so viel können Antje Schippers und Peter Mienert sowie Carola und Bahram Pasuki schon mal versprechen. Die Vier organisieren wieder das „Mittelalterlyche Gedrängel“ – zum zweiten Mal in Hengsterholz. „Wir sind hier im letzten Jahr mit offenen Armen aufgenommen worden und bekommen auch jetzt wieder sehr viel Unterstützung aus dem Ort und vom Sportverein“, freut sich Bahram Pasuki noch immer über den Umzug in den äußersten Südosten der Gemeinde Ganderkesee. Vor 2017 hatte das „Gedraengel“ zweimal im Dorfpark Falkenburg stattgefunden, doch dort kam es wegen des begrenzten Raumes zu sehr zum Gedrängel.

Der Sportplatz Hengsterholz bietet den Mittelalter-Freunden mehr Fläche – und die wird auch gebraucht. „Jeder Meter ist ausgebucht“, verkündet Pasuki, der als „Marktvogt“ die Platzierung der rund 25 angemeldeten Lager koordiniert. Rund 300 Teilnehmer werden erwartet, das sind noch mal gut 100 mehr als im Vorjahr. Viel historisches Handwerk wird geboten, unter anderem machen Schmiede, Tischler, Steinmetze und Holzkünstler wieder mit. Neu dabei sind unter anderem ein Hersteller alter Heugabeln und ein Tuchhändler, der wertvolle Stoffe feilbietet. Töpfer- und Textilkunst gehören ebenso zum Angebot.

Auch „Versorger“ in großer Zahl bauen ihre Stände auf. Eine Fleischbraterei, eine Aalräucherei und eine Taverne bilden nur einen Teil der Auswahl, die beliebten Apfelringe zum Knabbern gibt es ebenfalls wieder. Dazu kommen Bogenbauer, Schwertkämpfer, Marktschreier und eben jene Bemitleidenswerten, die geteert und gefedert oder mit der Schandgeige um den Hals durchs Lager getrieben werden.

Wie im Vorjahr steht am Samstagabend eine Feuershow auf dem Programm, diesmal mit der Gruppe „Freies Feuer“ aus dem Raum Bremen. Dass offenes Feuer nach dem Dürre-Sommer zum Problem auf dem immer noch trockenen Gelände werden könnte, befürchten die Organisatoren nicht. Schließlich sollen auch Lagerfeuer und Feuerkörbe, Kerzen und Laternen entzündet werden, um das Lagerleben abends und nachts zu illuminieren. „Aber hinter jedem Jutezelt steht ein Feuerlöscher“, verspricht Peter Mienert – soviel Moderne muss im Mittelalterlager sein.

Wegen der besseren Wetteraussichten rechnen die Organisatoren auch mit einem besseren Besuch als beim ersten Mal in Hengsterholz: „Die 2000 Zuschauer wollen wir knacken“, sagt Pasuki. Geöffnet ist das Lager am Sonnabend ab 12 Uhr bis in die Nacht und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist wieder kostenfrei. Und auch Fragen kostet nichts, denn darauf freuen sich die Lagerleute jedes Mal: „Esst Ihr das wirklich?“ „Wohnt Ihr zu Hause auch so?“ „Ist die Ziege echt?“ Solche und ähnliche Sätze hören sie ständig. Aber keine Angst: Niemand wird dafür geteert und gefedert.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)