Bad Zwischenahn - Ursprünglich wollte Christine Deborah Vieth mal Religionslehrerin werden. Dann aber hat sie sich gedacht: „Warum nicht gleich richtig?“ Mit „richtig“ meint die 29-Jährige Pastorin. Und den zweiten Schritt dahin macht die Wilhelmshavenerin in Bad Zwischenahn. Nach ihrem Theologie-Studium in Münster hat sie zum 1. September das Vikariat in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg begonnen. Und die Landeskirche hat die Kirchengemeinde Zwischenahn bedacht. Die kommt damit nach vielen Jahren – wie viele es genau waren, vermochte Pastorin Petra Adomeit nicht zu sagen, irgendwann in den 1990er müsse das letzte Mal gewesen sein – wieder einmal in den Genuss einer Vikarin.
Der enge Kontakt zu Menschen, die Möglichkeit sie in unterschiedlichen Lebenslagen zu begleiten und die Vielseitigkeit des Berufes seien für sie vor allem ausschlaggebend für die Wahl gewesen, erzählt Vieth. Und diese Kontakte wird sie jetzt knüpfen können. Nachdem in den ersten Wochen und Monaten vor allem Theorie im Predigerseminar Loccum bei Hannover den Alltag der Mutter eines 21 Monate alten Sohnes war, folgt nach und nach die Praxis.
Erste Erfahrungen hat sie beim Kindergottesdienst schon sammeln können und hat bei Adventfeiern mitgewirkt. An diesem Sonntag folgt aber „die erste richtige Herausforderung“: Im 10-Uhr-Gottesdienst von Pastorin Adomeit übernimmt Vikarin Vieth die Predigt. Der Talar ist rechtzeitig gekommen – auch wenn das Tragen „noch etwas ungewohnt ist“. Da müsse man erst hineinwachsen, gibt die Pastorin ihrem Schützling mit auf den Weg. Und das gelte auch für die Predigt. Seit vielen Tagen beschäftigt die 29-Jährige sich mit der Bibelstelle „Freuet euch, der Herr ist nahe“ aus dem Philipperbrief. Der Anfang steht schon länger, mit anderen Teilen ist die 29-jährige auch ein paar Tage vor dem Gottesdienst nicht zufrieden. „Die Leute sollen die Predigt auch verstehen. Die sollen hinterher nicht sagen: Ich wollte nicht in die Uni-Vorlesung, ich wollte in den Gottesdienst.“
Gerade auch bei einer Predigt müsse jeder seinen eigenen Stil finden, betont Adomeit. Das dauere seine Zeit, da können man nicht einfach Predigten übernehmen, die nicht zur Person passten. Und: „Wir Pastoren wissen, wer in der Kirche sitzt. Das weiß man als Anfänger noch nicht“, weist Adomeit auf den Faktor Gottesdienstbesucher hin, den die junge Vikarin noch nicht kennen kann. Am Ende komme es bei einem gelungenen Gottesdienst darauf an, dass „das Gesamtpaket stimmt“, so Adomeit – Lieder und Lesung, Gebete und eben Predigt müssten stimmig sein.
Nach der Predigt und dem Schulgottesdienst wird es für Vieth wieder ruhiger. Sie wird sich auf die Schulprüfung Mitte Januar vorbereiten, danach folgt der, so Adomeit, „richtige Einstieg in die Gemeindearbeit“ und der erste eigene Gottesdienst im März. Dann dürfte das „bisschen Lampenfieber“, das Vieth für Sonntag schon erwartet, wenn sie die Kanzel besteigt, wieder zurückkommen.
