Schwei - Seit fünfzehn Jahren führt Gaby Menzel erfolgreich ihre private Musikschule „Haus der Musik“ in Schweiburg. Aus diesem Anlass fand jetzt in der gut besuchten St.-Secundus-Kirche in Schwei ein Konzert mit Lesung statt.
Es bezog sich auf ein Buch, in dem Volker Michels Hermann Hesses (1877 bis 1962) Schriften zur Musik veröffentlicht hat. Während die in Butjadingen wohnende Schauspielerin Sylva Springer eine Auswahl von Texten las, übernahm Gaby Menzel, gemeinsam mit dem Bremer Gitarristen und Lautenisten Christian Berndt, den musikalischen Part. Die Veranstaltung wurde vom Verein Literaturplus Wesermarsch und der Kirchengemeinde Schwei getragen.
Eigenes Cembalo
Der erste Teil des umfangreichen Programms war der Barockmusik gewidmet. Zum Auftakt spielte Gaby Menzel auf dem eigenen Cembalo vier kleine Charakterstücke von François Couperin, mit denen sie auch die Vielfalt des Instrumentes vorführte. Anschließend umriss Sylva Springer den Lebensweg des Schriftstellers, da sie in Herkunft und Werdegang einen Schlüssel zu seinem Musikverständnis sieht.
Von Kindheit an war Hermann Hesse von der Musik fasziniert. Er liebte die kontrapunktische Musik des Barock. Seine bevorzugten Komponisten waren Bach, Händel und Mozart, aber auch Schubert, Chopin und Schumann. Kategorisch lehnte er Komponisten ab, deren Werke er mit Rausch oder Pathos verband, wie etwa Brahms, Wagner oder Richard Strauss. Symmetrie, Architektur und Klarheit galten ihm als Voraussetzung für gute Musik. Dass diese Einstellung nicht eindeutig war, belegen unter anderem Hesses kritische Äußerungen zu Béla Bartók, dessen sinnlich reiche Musik er trotzdem als großartig bezeichnete.
Sylva Springer hatte Betrachtungen, Briefe, Gedichte und Tagebuchnotizen ausgewählt, die deutlich machten, mit welcher Gefühlstiefe Hesse Musik empfand und mit welchen starken Bildern er sie zu schildern wusste, beispielsweise das Orgelspiel, eine Oper, ein Orchesterkonzert oder das Spiel auf einzelnen Instrumenten.
Die Lesungen wurden von den beiden Musikern stimmig begleitet. Sie spielten überwiegend im Duett, Gaby Menzel mit verschiedenen Blockflöten, Christian Berndt mit Laute und Gitarre. Gaby Menzel bewies ihr ganzes Können auf der Orgel mit einer Toccata von Bach, Christian Berndt spielte zwei Soli mit großer Intensität und Sensibilität.
Zauberflöte auf der Orgel
Im zweiten Teil stand Mozart am Anfang. Hesse hatte sich mit dem komplexen Wesen des Komponisten auseinandergesetzt und in Mozarts Briefen entdeckt, dass man seine Seele nur über die Musik verstehen lerne. Gaby Menzel begann mit der Klavierphantasie in d-Moll, überraschte dann mit einer Orgelbearbeitung der Vogelfänger-Arie aus der „Zauberflöte“ und trug mit Christian Berndt ein Menuett aus der Kleinen Nachtmusik vor.
Hermann Hesse verstand sich auch auf die Satire. Im „Virtuosen-Konzert“ nahm er einen weltberühmten Geiger aufs Korn, der sich im letzten Teil seines sonst anspruchsvollen Programms zur Kurmusik, ja sogar zu einem Tango herablässt, aber auch damit ein Publikum aus der Geldaristokratie entzücken kann. Der Satire folgte ein für Flöte und Gitarre bearbeiteter Tango von Astor Piazzolla. Zum Abschluss traten Sylva Springer, Gaby Menzel und Christian Berndt noch als Trio auf. In Anspielung auf Hesses langes Leben wurde die Lesung des Gedichtes „Stufen“ von einem bekannten Kanon Johann Pachelbels begleitet.
