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NWZonline.de Nachrichten Kultur

OPER: Herrschermilde als böser Schein

30.01.2006

OLDENBURG Wie ein Politthriller gibt sich die Oper. Im Großen Haus gab es begeisterten Beifall.

von Werner matthes OLDENBURG - Mordversuch und Intrige, Leidenschaft und Verrat, ein Chaos der Gefühle, Verwirrungen und Enttäuschungen, das die Menschen bis zum Verlust der eigenen Identität treibt – diese Oper ist mehr als eine Spätblüte der barocken Opera seria, etwas anderes auch als ein Loblied auf den ersehnten aufgeklärten und hoher Humanität ergebenen Souverän.

Anthony Pilavachi, der „La Clemenza di Tito“ zu Mozarts 250. Geburtstag im Oldenburgischen Staatstheater neu inszenierte, hat das eindrucksvoll deutlich gemacht. Extreme Situationen und Seelenkämpfe der Protagonisten stehen da gegen die Milde des „edlen“ Herrschers, der selbst denen verzeiht, die ihm nach dem Leben trachten.

Ein nur scheinbarer Widerspruch. Denn die Milde, unerbittlich und omnipräsent, wird nicht als wünschenswerte Utopie hingestellt, sondern entlarvt als inhumanes System, das Menschen zerstört, weil ihnen die Individualität genommen wird. Alles Handeln prallt am Kaiser ab, weil der „alles versteht, verzeiht und vergibt“. Milde als Mittel des Machterhalts für Despoten: Wenn Titus am Ende Wein einschenkt, fallen die am Tisch sitzenden Protagonisten trunken im Kopf zurück wie Marionetten. Das vermeintliche gute Ende ist nur ein Schein.

Pilavachi hebt auf den historischen Römerkaiser und seine Schandtaten ab und „begleitet“ ihn, eine abgründig-ambivalente Figur, in einer Zeitreise bis in unsere Tage. Attitüden der Gewaltsamkeit, Lächerlichkeit und Verzweiflung tun sich da auf; das Berechnend-Unberechenbare des Herrschers, für den Pilavachi Metaphern der ungehemmten Zerstörungswut findet, gewinnt gelegentlich paranoide Züge.

Zum Titus-Szenario gehören Bilder der Schergengewalt, der Dekadenz und der homoerotischen Anspielungen, auch der Groteske und Ironie. Die Huldigungen des Volkes fallen – bedeutsam – höchst unterschiedlich aus: Man sieht verhüllte, gabenspendende, in Schach gehaltene Frauen und Speichellecker in quasi SS-Uniform und in Befehlsempfänger-Pose.

Der Brand des Kapitols bringt viel Turbulenz, Chaos und kalten Dampf auf die Bühne, und spätestens hier ist zu merken, wie genial das mobile Bühnenbild Tatjana Ivchinas, mit großer Treppe, Durchblicken, ausfahrbarem Boudoir der rachelüsternen Vitellia, gestaltet ist.

Als Sextus, der sich zur Revolte anstiften lässt, war Katarina Hebelkova die zentrale Figur. Was das Libretto vorschreibt, wurde von ihrer beseelten gesanglichen Leistung aufs Eindrucksvollste beglaubigt. Marcia Parks, als Vitellia die Urheberin der Rebellion, nahm durch ebenmäßigen weniger spannungsreichen als vor allem von feinen Pianotönen geprägten Gesang für sich ein.

Bei Rolf Romei als Titus stimmten Aktion und Stimmpräsenz trefflich zusammen: im imperialen Tonfall wie auch in den empfindsamen, skrupulösen Momenten. Anja Metzger (Servilia), Alexia Basile (Annius) und Fitz Vitu (Publius) entsprachen ihren Partien vorzüglich. Feuriger Drive, geschärfte Konturen und dramatischer Atem bestimmten das Spiel des Orchesters, dem Alexander Rumpf (bis auf winzige Wackler) präzise Akzente gab.

In einer opulenten, witzigen Premieren- und Geburtstagsfeier zu Ehren Mozarts entstieg der Jubilar „höchstselbst“ einer riesigen Torte, der Opernchor brillierte mit einem Medley, und auf dem Theater-Vorplatz gab es ein veritables Brillantfeuerwerk.

Karten: 0441/222 51 11

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