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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Hexen sind allgegenwärtig

19.09.2016

Oldenburg Verdi hat seinen „Macbeth“ 1865 für die Pariser Oper überarbeitet und unter anderem eine Ballettmusik hinzugefügt. Diese Fassung wird am Oldenburgischen Staatstheater gespielt. Die Premiere am Sonnabend im Großen Haus ist im Ergebnis eine musikalisch weitgehend gelungene Aufführung, die szenisch mit ungewöhnlichen Bildern überzeugt.

Gleich zum Vorspiel ist die in Nebelschwaden getauchte Bühne (Daniela Kerck) mit Leichen übersät. Macbeth und Banquo fallen sich als Überlebende der Schlacht erleichtert in die Arme. Regisseurin Nadja Loschky verdeutlicht mit dieser Szene die enge Verbindung der beiden.

Zur Charakterisierung von Macbeth und Lady Macbeth bezieht sie sich auf Sigmund Freud. Lady Macbeth ist in Loschkys Inszenierung schwanger, allerdings verliert sie ihr Kind. Der Ansatz, Kinderlosigkeit als Ursache für die Grausamkeit der Lady festzumachen, geht nicht auf. Sie ist schon während ihrer Schwangerschaft die personifizierte Bösartigkeit. Im letzten Akt wird Lady Macbeth von ihrem Mann erwürgt. Es wirkt so, als hätte er sich von seinem Dämon befreit.

Aber für das Dämonische sind die Hexen zuständig. Sie sind allgegenwärtig. Anfangs hüten sie ein riesiges Ei, das Symbol der Fruchtbarkeit. Eine Miniaturausgabe wird am Ende an Malcolm überreicht, der die Königsdynastie fortsetzen wird. Es sind viele faszinierende Bilder und Gedanken, die Loschky in ihre Inszenierung eingebracht hat.

Der neue Generalmusikdirektor Hendrik Vestmann stand am Pult des Oldenburgischen Staatsorchesters. Er dirigierte seinen Verdi mit schnellen Tempi und betonte die Dramatik der Musik. Vielleicht ist dabei manches zu knallig ausgefallen und bewegte sich zu häufig im Fortissimo-Bereich.

Aber seine Wiedergabe war von pulsierendem Drive bestimmt und durchaus mitreißend. Wie er die Chor-Tableaus aufbaute und machtvoll steigerte, war eine Klasse für sich. Chor und Extrachor (Einstudierung Thomas Bönisch) zeigten sich in bester Verfassung.

Bei den Solisten ist an erster Stelle Daniel Moon als Macbeth zu nennen, der mit markantem und kernigem Bariton die Zerrissenheit und zunehmende Grausamkeit der Figur verdeutlichte. Höhepunkt war die schön phrasierte Arie im letzten Akt. Ill-Hoon Choung (Banquo) ist kein basso profundo, aber ein sehr klug gestaltender Sänger, der in der Szene „Studia il passo“ begeisterte. Raffaella Angeletti hinterließ als Lady Macbeth einen zwiespältigen Eindruck. Ihr Sopran hat einen dramatischen Kern. Aber zwischendurch gab es Passagen, in denen die Stimme verflachte. Als Persönlichkeit erfüllte sie die Partie aber sehr gut.

Dass Macduff nur eine Arie hat, bedauert man, wenn sie von einem Tenor wie Emanuel Mendes gesungen wird. Philipp Kapeller als Malcolm, Melanie Lang als Kammerfrau und Henry Kiichli als Arzt erfüllten ihre Aufgaben zuverlässig.

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Verdi | Oldenburgisches Staatstheater

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