Haareneschviertel - Leicht ist Susanne Will am Rosenmontag nicht ans Telefon zu kriegen. Weniger, weil sie kostümiert auf irgendwelchen Tischen tanzt. Im Gegenteil: Die Organisatorin des Kinder Sockenballs bleibt auf dem Teppich.
Schließlich sorgt die Oldenburgerin seit zehn Jahren hauptverantwortlich für das geordnete Durcheinander in den Hallen des Oldenburger Turnerbundes – „von der Filtertüte bis zum Sanitäter.“ Das komplette Jahr ist die Leiterin des Kinder- und Jugendbereiches mit Vor- und Nachbereitungen, Verbesserungen und Plänen befasst. Damit wie letzten Sonntag rund 650 kleine Prinzessinen, Piraten, Cowboys und Pippi Langstrümpfe samt erziehungsberechtigtem Gefolge über Bühnen und Trampolins, Hüpfburgen und Geisterbahnen, Balancierseile und Kletterwände toben können, legt sie schon mal 14-Stunden-Schichten ein. Unterstützt wird die 56-Jährige von einem dreiköpfigen Kernteam, sechs Helfern – und begeisterter Resonanz. „Wenn ich sehe, wie viel Spaß alle haben, lohnt sich der ganze Aufwand – ich stehe dann da und denke wow, die Halle brummt“, sagt Susanne Will.
Mitmischen beim tollen Tohuwabohu darf die OTB-Mitarbeiterin seit über zwei Jahrzehnten, das erste Mal begleitet hat sie den Kinder Sockenball vor einem Vierteljahrhundert – damals als Neu-Oldenburger Mutter. Mittlerweile genießen ihre Enkel das vorrosenmontägliche Traditionstreiben, während Oma als Clown für Stimmung und als Fachfrau für Ordnung sorgt. Die rote Nase setze sie jedes Jahr auf, einfach, weil es ihr Lieblingskostüm sei, sagt Susanne Will.
Zum Bauklötze staunen und stapeln ist sie beim Anblick der vielen Starwars-Krieger und kreativer Kreationen geschickter Hobbyschneider am Sonntag schon gekommen. „Da war ein kleines Mädchen mit angenähtem Pferd – in Rosa“, schwärmt sie. Besonders angetan sei sie auch von der Geisterbahn, die Dekorateurin Tanja Bremermann zum Schreien schön gestaltet hat.
Der Renner bei dem sportlich-spaßigen Event sei auch in diesem Jahr die Riesenrutsche mit Lichteffekten gewesen. Rundum glücklich werden kleine Gäste auch immer wieder bei einer Tour mit dem einst von Susanne Will konzipierten Karussell – ein Klassiker, den sie als Leiterin der Kindergroßveranstaltungen auch zum Nikolausturnen am ersten Adventswochenende herausholt. Die Allerjüngsten fahren natürlich besonders auch auf die Bobbycar-Rennbarn und das gigantische Hüpfkissen ab – während die wesentlich älteren Semester mit Waffeln nach „Omas Rezept“ als Nervennahrung glücklich sind. Eltern, die einst selbst beim Sockenball getobt haben, sind Jahr für Jahr etliche da. In diesem Fall war früher definitiv weniger Lametta: Von drei Vätern wurde die Kinderfete 1976 ins Leben gerufen – seither wird sie immer bunter, besser, beliebter.
Nur in einem Jahr hat die Faschingsparty ausgesetzt: „Während des Irakkrieges haben wir pausiert“, sagt Susanne Will. Auf diesem Grund hat der Kinder-Sockenball auch in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag gefeiert. Um Verwirrungen zu vermeiden, und weil es schon genug Grund zum Fröhlichsein gibt, hat die Organisatorin das nicht an die große Glocke gehängt. Außerdem hat sie andere Dinge im Kopf: „Nach dem Fest ist vor dem Fest“. Zum Ausruhen nach der Sause bleibt somit wenig Zeit. Früher, als es noch den Sockenball für Erwachsene gab, habe sie durchgetanzt – „mit vier Stunden Schlaf“, gesteht Susanne Will. Ans Telefon ist sie trotzdem gegangen. An Rosenmontagen blühen Karnevalskenner nämlich richtig auf.
