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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bei diesem Stück sind Taschentücher nötig

05.12.2016

Oldenburg Opernkenner wissen um die Hintergründe. Etwa: „La Traviata“ von Verdi, diese tieftraurige Geschichte der Violetta, ist die Oper mit dem höchsten Taschentuch-Verbrauch – beim gerührten Publikum, versteht sich. Oder auch: „La Fille du régiment” von Gaetano Donizetti zählt zu den Opern mit den meisten hohen Cs des Tenors.

Nun hat Felix Schrödinger diese französische „Regimentstochter” von 1840 mit den Spitzentönen des italienischen Belcanto-Spitzenkochs Donizetti im Großen Haus des Staatstheaters in Szene gesetzt, beifallumrauscht: Mit vielen hohen Cs und mit noch mehr Taschentüchern – auf der Bühne, was sich nicht so von selbst versteht.

Doch die Soldaten des 21. napoleonischen Regiments brauchen viele Tücher zum Trocknen ihrer Tränen, weil Marketenderin Marie sie verlassen muss. Sie ist einst als Findelkind von den rauen Burschen mit den weichen Herzen großgezogen worden. Nun hat eine Adelige mit Vergangenheit sie abgeworben, um sie in höhere Kreise zu führen. Das klappt am Ende natürlich nicht.

wo es Karten gibt

Die Oper „La Fille du régiment“ (Die Regimentstochter) von Gaetano Donizetti läuft im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Eintrittskarten für die Oper gibt es unter: Telefon   0441/222 51 11

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Allein der Blick in die Gesichter dieser Chorsänger (Choreinstudierung: Thomas Bönisch) reicht, um die Inszenierung großartig zu nennen. Kein geschlagenes Heer könnte ein jammervolleres Bild abgeben. Das deckt nur einige von vielen Feinheiten ab, die fantasievoll ausgeklügelt sind. Josefine Smid hat sie pfiffig und fast immer klamaukfrei auf die Bühne gesetzt. Sie verballhornen auch den Nationalismus, wenn Bayer Tonio in krachlederner Hose drunter und französischer Uniformjoppe drüber im Regiment Dienst tut. Gute zwei Stunden genießen Publikum und Darsteller das gemeinsam wie ein schmackhaftes Rosinenbrötchen.

Oldenburg zelebriert diese komische Oper „halbszenisch”. Doch die Umsetzung mit dem Staatsorchester auf der Bühne und den Sängern vorn an der Rampe entpuppt sich als Dreiviertel-Inszenierung mit hundertprozentigem Erfolg. Was zur Handlung nötig ist, schildert Stefan Vitu als paddeliger Erzähler. Oder er verdaddelt es.

Donizettis einstiger Schlager enthält mehr Noten als dramatischen Sinn. Wäre er in einer kompletten Inszenierung überhaupt zu jenem aktuellen Schlager geworden, zu dem ihn gerade diese ausgesuchte Bühnendistanz in Oldenburg macht? Ironie, Persi­flage, Humor, Augenzwinkern, Deftigkeit und persönliche Lebendigkeit in den Stereotypen der Opera buffa triumphieren in dieser köstlichen „Opera light”.

Und es triumphiert die Musik. Schon der erste heikle Horneinsatz (Joaquim Palet) sitzt. Später schmachtet das Englischhorn (Janine Goulbier) leidvoll, singt das Cello (Andre Saad) zu Herzen gehende Kantilenen. Dirigent Vito Christófaro lässt mit dem Staatsorchester schnell Behutsamkeit hinter sich. Rhythmisch federnd, bunt und melodisch sprühend schwingt es sich zu einem Hauptakteur auf.

Das Sängerensemble besteht die Herausforderungen mit Bravour. Sooyeon Lee als Marie spielt geradezu mit den Anforderungen an die hohen Sopranlagen und meistert alle Schleudergefahren in den Verzierungen. Dabei lässt sie Gefühl und Grazie nie zu kurz kommen.

Philipp Kapeller als Liebhaber Tonio setzt seinen Tenor klug ein. Er leitet ihn ohne Brüche durch alle Lagen, formt ein schönes Timbre und fügt die Leuchtkraft der höchsten Höhen sehr natürlich an.

Hagar Sharvit als Marquise de Berkenfield führt ihren angenehm runden Mezzosopran auch den tieferen Lagen sehr substanzreich. Ill-Hoon Choung gibt dem Sergeanten Sulpice einen charaktervollen Bass.

Am Ende pfeffert Marie auch noch das dreigestrichene F hinaus. Nur mal so. Ja, auch das können wir!

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