Die Augen von Thomas Fleischer (51) werden heute Morgen etwas kleiner sein, denn viel Schlaf hat er in der letzten Nacht wohl nicht bekommen. Zunächst der offizielle Faschingsauftakt und anschließend wurde der scheidende Prinz André II. in einer feucht-fröhlichen Aktion in die Reihen der Ex-Prinzen aufgenommen.
Es war an einem verregneten Abend im Oktober 1998, als bei Thomas Fleischer zwei Männer mit Trenchcoat und tiefsitzendem Hut vor der Tür standen. „Jetzt kommen die schon mit zwei Mann, um mich in die CDU zu holen“, war der erste Gedanke von Thomas Fleischer, denn er vermutete neben Hans Hubmann seinen Vater Werner vor sich zu haben, denn beide waren Rats- und Parteikollegen. Bei näherem Hinsehen war es aber nicht sein Vater, sondern Hartmut Scheele und beide gehörten zum sogenannten „Heldengreifkommando“. Der Grund des Besuches war Thomas sofort klar: „Die wollen mich zum Faschingsprinz 1999 machen!“ Da seine Anke nicht im Hause war und Thomas Gips angerührt hatte, um ein Kabel zu verlegen, mussten die Herren zwei Stunden in Fleischers Wohnzimmer verbringen, bevor sie „Ja, ich bin dabei!“ hörten. Da seine Prinzessin Petra in der Nachbarschaft wohnt, wurde der Schlattenweg 1999 zur Partymeile ausgerufen. „Es war ein tolles Jahr“, schwärmt Thomas noch heute.
Seit vielen Jahren ist er als Musiker bei den Büttenabenden mit dabei. Schon in jungen Jahren spielte er im Jugendmusikzug der Freiwilligen Feuerwehr Ganderkesee zunächst Bariton und dann Posaune und Tuba. Einige Mitglieder des Jugendmusikzuges gründeten mit der „Chaos Combo“ ihre eigene Stimmungskapelle. Mit dieser hatte Thomas Fleischer mit 17 Jahren seinen ersten Auftritt beim Ganderkeseer Büttenabend. Und nicht nur zu den Büttenabenden wurde diese Band gerne verpflichtet.
Mit zunehmendem Alter wurde Thomas die Blasmusik zu langweilig. „Ich wollte gerne Musik machen, die ich auch im Radio gerne höre“, berichtet er und so gründete er zusammen mit Freunden die Gruppe „Querbeat“. 1998 hatte die Gruppe mit Songs der „Beatles“ ihren ersten Auftritt bei den Büttenabenden. Seit dieser Zeit gehören sie zu den Highlights bei den Büttenabenden, die die Zuschauer mit ihrer Musik von den Stühlen holen. Thomas spielt die Bassgitarre. Als Sänger kann die Band nicht auf ihn bauen: „Singen kann ich nicht, da bin schon aus dem Schulchor geflogen“, lächelt Thomas.
In seiner Schulzeit war auch die Elektronik seine große Leidenschaft. Zusammen mit Freunden wurden alte Radio- und Fernsehgeräte vom Sperrmüll geholt und aus drei Geräten wurde ein brauchbares gemacht. Nicht selten knallten dann im Hause Fleischer die Sicherungen durch. Nach dem Realschulabschluss machte er bei „Fernseh Raem“ in Delmenhorst eine Ausbildung zum Radio-und Fernsehtechniker. Als Fernmeldetechniker bei der Bundeswehr hatte Thomas anschließend viel Zeit zum Nachdenken und so reifte der Entschluss, seinen Meister zu machen. Eineinhalb Jahre arbeitete er noch als Geselle in seinem Ausbildungsbetrieb, bevor er dann ein Jahr die Meisterschule besuchte.
Im April 1991 hatte er gerade seinen Meisterbrief in der Tasche, als er sich einen Bänderriss zuzog. Gerade jetzt hatte er sich entschlossen, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Im Haus seines Großvaters Kurt Fleischer in der Mühlenstraße waren Räume frei geworden und nun musste renoviert werden. Im Juni 1991 öffnete das Geschäft „Fernseh Fleischer“ mit dazugehöriger Werkstatt. In den ersten Jahren war Thomas „Alleinunterhalter“. 1994 konnte er seinen ersten Auszubildenden und ein Jahr später seinen ersten Gesellen einstellen.
Nicht nur beruflich orientierte sich Thomas neu, auch im privaten Bereich wurde er sesshaft. 1992 heiratete er seine langjährige Freundin Anke Meyer und schnell machten die Söhne Marius (23) und Carlos (20) die Familie komplett. Das junge Ehepaar erwarb ein Haus am Schlattenweg, was ebenfalls kräftig saniert werden musste. Das Haus war zu einem kleinen Teil unterkellert. Um aber einen Probenraum für seine Musikband „Querbeat“ zu bekommen, wurde der Keller von 2004 bis 2006 vergrößert. „Eimer für Eimer haben wir Sand die Treppe hoch geschleppt, wobei uns die Bandmitglieder von Querbeat tatkräftig unterstützt haben“, erzählt Thomas Fleischer. In dieser Zeit haben sich Anke und Thomas Fleischer einen Wohnwagen zugelegt. Am liebsten fahren beide an die französische Küste an der Cote d’Azur. Auch heute wäre er sicherlich gerne dort, um sich vom Ganderkeseer Fasching zu erholen.
Thomas Fleischer, Ex-Prinz und Faschingsmusiker
