Hude - Nicht nur Krankheiten sind ansteckend, Lachen kann es auch sein. Dass (tod)ernste Krankheiten durchaus Unterhaltungswert besitzen, bewies Kabarettist Ingo Börchers am Donnerstagabend im Kulturhof Hude.
Er nahm die Zuhörer mit in die „Ferien auf Sagrotan“, wo herzhaft gelacht werden durfte. Seit 15 Jahren ist Ingo Börchers als Kabarettist tätig, mit seinem sechsten Bühnensoloprogramm „Ferien auf Sagrotan“ gab er jetzt sein Debüt in der Klostergemeinde.
„Ich nehme den Zuschauern alle Ängste, alle Leiden der Krankheiten ab“, erklärte Börchers. Kabarett sei schließlich eine Dienstleistung. Der Bielefelder versprach „garantiert keimfreies Kabarett“. Stattdessen gab es kluge Wortspiele, amüsante Kalauer und aberwitzige Vergleiche. „Ich bin sensibilisiert“, warnte der bekennende Hypochonder gleich zu Beginn das Publikum.
Während andere telefonierten, taste er seine Lymphknoten ab, denn er wisse: Jeder gute Zustand geht vorbei. „Meine besten Zeiten sind die Inkubationszeiten“, scherzte er und wusch anschließend seine Hände mit Desinfektionsmitteln statt in Unschuld. Denn: „Wer weiß, was Sie alles mit sich herumtragen.“
In seinem knapp zweistündigen Programm nahm der 39-Jährige alles aufs Korn, was die Gesundheit hergibt. Ob Wellness-Wahn, den Alltag mit Kindern oder das Bildungswesen. Auch die Nebenwirkungen der Globalisierung, den Sparzwang im Gesundheitssystem und den Alltag in Wartezimmern, Arztpraxen und Krankenhäusern beleuchtete der Kabarettist kritisch. „Wir sind Europameister im Arztbesuch“, verkündete Börchers stolz. Der Deutsche gehe 18 Mal im Jahr zum Doktor, da stelle sich doch die Frage: „Macht Deutschland krank?“ Die Zuschauer lachten zustimmend.
Technologischer Fortschritt, Lebensmittelspekulationen, Organspendeskandal, Gesundheitswahn und schließlich Altern und Tod: Der Kabarettist wagte sich auch an schwierige Themen. Pharmareferenten („Krankheitserfinder“), plastische Chirurgen („Änderungsfleischer“), Mediziner und Patienten bekamen gleichermaßen ihr Fett weg.
Börchers präsentierte nachdenklich machende Fakten, die er stets geschickt in unterhaltsame Anekdoten einkleidete. Mal wetterte er mit maßlosen Übertreibungen und sarkastischen Zuspitzungen gegen Ärzte und Politiker, dann wieder zeigte er sich nachdenklich, fast melancholisch.
Schonungslos sezierte er das Gesundheitswesen und setzte dabei zielsicher das Skalpell an, mit kühler Präzision platzierte er Pointen. Den Zuschauern blieb manches Mal das Lachen im Halse stecken. Es war ein nachdenklich-unterhaltsamer Abend, an dem die Ängste einfach weggelacht wurden: eine Art Gruppentherapie für die Lachmuskeln und gegen die Nebenwirkungen des Lebens.
