„Historisches Hüllsteder Haus muss weichen“ NWZ vom 27. September 2017:

Die Hüllsteder sind traurig darüber, dass wieder ein uraltes Stück ihres Dorfes an der Langebrügger Straße verschwindet. Die Interessengemeinschaft Bauernhaus e. V. im Ammerland ist auf der Seite der Hüllsteder. (...) Ortstypische Altbauten in Dörfern, Gemeinden und Kleinstädten des ländlichen Raumes bewirken oft deren Charme und deren Unverwechselbarkeit. Das Erscheinungsbild spiegelt das Wirken ganzer Generationen wider und stellt deren Arbeitsweisen dar; es vermittelt die Kunstfertigkeiten über verschiedenste Bauformen und Bauweisen; es prägt Heimat und fördert die Zugehörigkeit der Bewohner zu ihrem Umfeld. (...)

Mit großer Besorgnis beobachten wir, dass in rapider Geschwindigkeit dieses historische Kulturerbe zu verschwinden droht. Tagtäglich werden alte Häuser und das dazugehörige Umfeld abgerissen, bis zur Unkenntlichkeit verändert und umgebaut. (...) Viel zu häufig müssen interessante alte Bestände für Neubauten weichen. Es ist einfach und lukrativer, neu zu bauen und Altes zu ersetzen. (...)

Es geht immer dringender darum, die Reste unseres bäuerlichen kulturellen Erbes nicht zu zerstören oder zu verscherbeln. Dazu ist vor allem ein Bewusstseinswandel notwendig und zwar vorrangig bei den Bürgermeistern, den Kreisbauräten und den lokal Verantwortlichen wie den Räten in den Gemeinden. (...)

Ein Abriss ist kein Naturereignis, er wird von Menschen geplant und durchgeführt. Also kann er auch von Menschen verhindert werden. Solange uns unser Dorf noch etwas wert ist, werden wir um die Erhaltung seiner historischen Bausubstanz kämpfen müssen. Einspruch ist notwendig.

Manfred Meins, Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. im Ammerland Rastede/Ipwege

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 Wieder einmal berichtet die NWZ, dass ein altes Ammerländer Haus (diesmal in Hüllstede) abgerissen wird. Ich lebe erst seit wenigen Jahren in der Region, aber die Zahl der zerstörten alten Bauernhäuser, die bisher so charakteristisch für diese Region waren, kann ich fast schon nicht mehr zählen.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die in das Lamento über Bauwahn und Geldgier einstimmen. Mir geht es um die Phantasielosigkeit und vor allem die Kurzsichtigkeit, mit der solche notwendigen Umgestaltungen im Ammerland vorgenommen werden.

Die Ammerländer sind so stolz auf ihre Verbundenheit mit der Region, auf ihre Landschaft und ihre Wirtschaftskraft. Aber sie sind sich offenbar nicht bewusst, dass die Menschen hierherkommen, hier leben und urlauben wollen, hier investieren und bleiben wollen, weil diese Region ein ganz eigenes, eben ein Ammerländer Gesicht hat: eine gegliederte parkartige Landschaft, die noch nicht zur Maiswüste verkommen ist, mit Kühen auf der Weide, kleinen mittelständischen Firmen und lebendigen Dörfern dazwischen und mit ihren ortsbildprägenden alten Bauernhäusern, seien sie noch mit Reet gedeckt oder nicht.

Wer es durchgehen lässt, dass der Denkmalschutz einfach aufgehoben werden kann, weil Vandalismus nicht geahndet wird und zudem nur bis morgen, aber nicht bis übermorgen denkt, der ist gerade dabei, seine Zukunft zu verspielen.

Dr. Sabine Mangold-Will Wiefelstede