Rodenkirchen - Es war geradezu eine Hitzeschlacht. Bei strahlendem Sonnenschein, Windstille und Temperaturen über 20 Grad startete am Sonnabend der traditionelle Festumzug zum Roonkarker Mart. 60 Wagen, Fußgruppen und Musikzüge kamen bei der mehr als zwei Kilometer langen Strecke durch den Ort ordentlich ins Schwitzen und wirkten schließlich etwas derangiert, wenn auch gut gelaunt.
Die Stimmung war prächtig bei den tausenden Besuchern, und Konfetti und Kamelle flogen reichlich, die Kinder konnten mit vollen Tüten heimkehren. Am Ende hatten die Gewinner des Prämierungswettbewerbes auch noch Luft ein laut geschmettertes „So sehen Sieger aus“ anzustimmen.
Unter ihren langhaarigen Hippie-Perücken war es den Flower-Power-Mitgliedern des Bürgervereines Mühlenland schon recht heiß geworden. Doch sie waren mit ihren bunten Kostümen und ihrem großen VW Bulli, an dem unglaubliche 24 000 Papierrosen Platz gefunden hatten, ein echtes Glanzlicht des Umzuges. Oben auf dem „Peace-Bulli“ thronten Jürgen Kap-hingst und Klaus Malagoni, die eine bequeme Fahrt mit bestem Ausblick auf das wuselige Treiben genießen konnten.
Bunter Bulli
Die Idee zu dem Motto sei bei der Maifeier entstanden, als sich einige Frauen des Vereines dafür einsetzten, sagte Jürgen Kaphingst, den viele mit seiner braunen Perücke erst gar nicht erkannten. Die viele Arbeit hat sich für den Verein gelohnt, denn die Jury wählte den bunten Bulli mit 411 Stimmen unangefochten auf Platz eins.
Ebenfalls einen rosenbewehrten Wagen, nämlich einen gelben Abschleppwagen, setzte die Kommission auf den zweiten Platz. Der Bürgerverein und Pfingstbaumclub Achterdorp nahm den Skandal um den ADAC auf die Schippe und behauptete „Gelb allein macht nicht ehrlich“. Mit seinen niedlichen Schafkostümen aus flauschig weicher Watte und den beiden großen Schafen auf dem Anhänger punktete der Bürgerverein Sürwürden/Alse. In der Fußgruppe sammelten sich viele weiße Schafe unter dem Motto „Jedes Dorf braucht ein schwarzes Schaf“ um Renate Horstmann in ihrem schwarzen Schafkostüm. Zu beneiden waren die Schäflein nicht, denn auch sie kamen unter all der Watte sehr ins Schwitzen, und so manches von ihnen sah am Ende doch schon ziemlich gerupft aus.
Mehrere Wagen erinnerten an die Fußball-WM. Der große Ball des Bürgervereins Stro-hausen war so einer und der Jugendwagen vom Bürgerverein Achterdorp auch. Hier sorgte die Fußgruppe für Aktion. Mit Trillerpfeifen, Trikots und Freistoßspray wurde das WM-Feeling heraufbeschworen. Als Krönung marschierte die Jesus-Statue aus Rio de Janeiro (Doris Christoffers) mit. Die Jury vergab 110 Punkte an die Sieger.
Pastorin wirft Süßes
Auf Platz zwei kam der bunte Wagen der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Rodenkirchen. Pastorin Birgit Faß warf viele Süßigkeiten in die Menge. Der mit reichlich viel Rosen geschmückte Kinderfeuerwehrwagen des Bürgervereins Sandfeld wurde Dritter.
Die Vielfalt der Motive brachte wieder viel Spaß und Belustigung beim Umzug, doch auch ernstere Themen fehlten nicht. Der ins Stocken geratene Krankenhaus-Bau in Esenshamm oder der Einsatz der Bundeswehr als Friedenstruppe sind solche Beispiele.
Es gab Lustiges wie die simulierte Achterbahnfahrt der Crazy Girls aus Schwei, die es tatsächlich schafften, eine turbulente Fahrt auf dem Asphalt darzustellen. Und es gab Neulinge wie die Dorfgemeinschaft Absen, die nach Jahren der Abstinenz nun wieder mit einem Wagen und einer Vintage-Fußgruppe auf sich aufmerksam machte. Oder der Musikzug Concordia Schwei, der erstmalig nach seiner Gründung im vergangenen Jahr teilnahm und stolz seine Vereinsfahne vorweg trug.
