Ganderkesee - Mit dem britischen Thronfolger Prinz Charles durfte Wallheckenexperte Georg Müller bereits ausführlich plaudern. Jetzt wurde dem 65-jährigen Umweltfreund aus Ganderkesee eine besondere Ehrung zuteil: Die National Hedgelaying Society (NHLS, Nationale Heckenleger-Gesellschaft), dessen Schirmherr Prinz Charles ist, ernannte Müller zum Mitglied auf Lebenszeit. „Das ist die höchste Auszeichnung, die die Gesellschaft zu vergeben hat“, erklärt er. Bisher sei noch keinem Nicht-Briten diese Ehre zuteil geworden.
Die NHLS ist nach eigenen Angaben die einzige Gesellschaft im Königreich, die sich der Hecken und Feldeinfriedungen annimmt. Auch die kilometerlangen Hecken auf den Ländereien von Prinz Charles werden von der NHLS gepflegt.
Spätestens seit der Veröffentlichung seines 1280-seitigen Werks „Europas Feldeinfriedungen“ gilt Müller als gefragter Mann für dieses Natur- und Kulturerbe. So hielt der Ganderkeseer erst kürzlich einen Vortrag vor der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen an der Salzach. In Westböhmen sind Forscher auf eine jahrhundertealte Steinmauer gestoßen. Sie soll nach Berichten und Vorgaben aus Müllers Monumentalwerk wieder originalgetreu hergestellt werden. „Das ist für mich etwas ganz Besonderes“, räumt er ein. Und Anfang Dezember nahm der Ganderkeseer an einem Symposium in den Niederlanden teil. Dort soll eine alte Landwehranlage wiederhergestellt werden.
Er sei immer wieder überrascht, wo seine 6,3 Kilogramm schwere Enzyklopädie bereits gelesen werde, erzählt Müller. Das Werk sei mittlerweile auf vier Kontinenten vertreten. Vor zwei Wochen ging die Bestellung einer Bücherei in Australien ein. Aus Purcellwille (US-Bundesstaat Virginia) kam ein „Großauftrag“ für mehrere Bibliotheken in den USA. Müllers Problem: Vermutlich liege das Versandgewicht über der zollfreien Grenze und die EU verlange zahlreiche Erklärungen. Das zweisprachige Werk zu den Feldeinfriedungen werde zudem für wissenschaftliche Arbeiten, unter anderem in den Niederlanden, genutzt, hat Müller erfahren.
Von der britischen National Hedgelaying Society bekam Müller eine besondere Krawatte sowie ein rechteckiges Abzeichen. „Da sind die Briten sehr traditionell“, sagt der Naturfreund. Leider konnte Müller die Auszeichnung nicht persönlich in Empfang nehmen; er hatte bereits bei einer Tagung in Italien zugesagt. Also brachte ihm sein Freund Jef Gielen aus den Niederlanden die Devotionalien mit. Ende Oktober will die Hedgelaying Society die Ehrung nachholen. Nicht ausgeschlossen, dass Müller aus diesem Anlass wieder mit dem Schirmherrn und Thronfolger plaudern kann.
