Hohenböken - Und der Oscar geht nach. . .: Hohenböken. Nein, nicht der große Filmpreis, sondern der „Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis" (MOA) für zeitgenössische Puppenkunst der Stadt Neustadt bei Coburg. Hilde Loewenstein hat mit ihrer Szene zu „Emil und die Detektive" den ersten Preis in der Kategorie „Beste Themenarbeit“ abgeräumt. Die Vorgabe in dieser Kategorie lautete: Figuren nach Kinderbüchern von Erich Kästner.
Zweites Werk gezeigt
Bis zu drei Werke durfte jeder Künstler einreichen. Hilde Loewenstein hatte neben ihrer Kinderbuch-Szene auch eine Skatrunde in der Kategorie „Beste Erwachsenendarstellung“ ausgestellt. Wie das Werk bei der Jury angekommen ist, weiß die 66-Jährige allerdings nicht, da nur die Sieger genannt werden und die Künstler nicht dabeisein dürfen, wenn die Jury die Werke begutachtet.
Der Wettbewerb war Teil des Neustadter Puppenfestivals, an dem sich zahlreiche internationale Künstler beteiligten. 60 Teilnehmer hatten insgesamt 107 Werke eingereicht. In zehn Haupt- und vier Sonderkategorien vergab die Jury Preise. Neben Hilde Loewenstein räumten unter anderem Künstler aus der Ukraine, Tschechien und den USA Preise ab.
1992 entdeckte Hilde Loewenstein ihre Leidenschaft für Puppen. „Meine Freundinnen sammelten Porzellankopfpuppen und wollten zur Puppenausstellung in Oldenburg, da bin ich mitgekommen“, erinnert sich die 66-Jährige. Dort traf sie eine Künstlerin aus Holland. „Die machte diese Puppen“, erzählt Hilde Loewenstein und deutet auf ihre eigenen. „Ich war so fasziniert von dieser Art – was man da alles mit ausdrücken kann.“ Die Hohenbökenerin besorgte sich Modelliermasse. „Die erste Puppe sieht nicht gut aus“, sagt Hilde Loewenstein lachend. „Es ist wirklich schwierig, da menschliche Züge reinzukriegen.“
Bereits 1996 erhielt die Hohenbökenerin den MOA. Auch den Puppen-Preis „Eurodoll“ räumte sie mehrfach ab, der wird allerdings mittlerweile nicht mehr vergeben, bedauert Hilde Loewenstein. Allgemein sinke die Begeisterung für Puppen, sagt die Preisträgerin.
Einige Jahre Pause
Ihre Begeisterung hingegen sei nie weg gewesen, allerdings habe sie ihr Hobby einige Jahre ruhen lassen. 1998 hatte sie die Idee, gemeinsam mit ihrem Mann Helmut ein Café zu eröffnen. Nach der Umbauphase führten die Eheleute ab 2000 mehr als 14 Jahre das Landcafé Löwenstein. Gesundheitliche Probleme waren schließlich der Grund für die Schließung.
Dann aber fand Hilde Loewenstein wieder zurück zu ihren Puppen. Ganz so einfach war das aber nicht: „Ich habe nicht gedacht, dass es so lange dauert, sich da wieder einzuarbeiten“, erinnert sie sich lachend. Zudem gab es die Modelliermasse, die sie vor 20 Jahren benutzt hatte, nicht mehr. Während sie die früher fertig kaufen konnte, rührt sie die Masse heute selbst an – und das ist gar nicht so leicht: „Ein Tropfen Wasser zu viel und die Masse wird viel zu dünn“, erklärt Hilde Loewenstein.
Aus der Masse, die aus Holzmehl besteht, formt sie Köpfe, Hände und Füße. Der Körper besteht aus einem Drahtgestell, das sie mit Küchenpapier und Kreppband umwickelt. Die Köpfe bemalt sie mit Ölfarbe, auf das Haupt klebt sie Echthaar. Die Kleidung näht sie selbst. Rund einen Monat braucht sie für eine Puppe. Es dauere allein vier Tage, bis etwa ein Kopf getrocknet sei. Auch die Möbel baut Hilde Loewenstein mithilfe ihres Mannes selbst.
Ihr preisgekröntes Werk ist am Sonntag, 3. Juni, von 11 bis 17 Uhr beim Kunsthandwerkermarkt im Schafstallcafé in Großenkneten, Hageler Damm 4, zu sehen. Anschließend will Hilde Loewenstein ihre Puppen in ihrem ehemaligen Café zeigen. Ein Termin steht noch nicht fest.
Auch im kommenden Jahr will Hilde Loewenstein sich wieder um den MOA bewerben. Die Themen werden aber erst Ende des Jahres bekanntgebeben. Bis dahin mangelt es ihr aber nicht an eigenen Ideen: Ein Pärchen im Sturm ist derzeit in Planung.
