HOHENKIRCHEN - Jever im Jahr 1230: Jevers Kirche brennt. Zufall oder Brandstiftung? Annas Vater, Baumeister Wille, wird als Hexer angeklagt und kommt beim Gottesurteil im Wüppgalgen ums Leben. Anna muss alleine zurechtkommen. Nachdem die erste Trauer überwunden ist, kennt sie nur noch ein Ziel: Sie will Gewandschneiderin werden.
Der Roman „Die Gewandschneiderin“ ist das Debüt im Bereich historischer Roman von Doris Niespor. Angeregt hat die Fantasie der 42-Jährigen, die mit drei Kindern, Mann und zwei Katzen in Hohenkirchen wohnt, auch die besondere historische Atmosphäre in Jever.
Bücher hat sie schon einige geschrieben: Sachbücher zu ihrer Arbeit als Präventionstrainerin und unter einem Pseudonym in einem kleinen Verlag eine Fantasy-Geschichte. Doch „Die Gewandschneiderin“ ist ihr erster Roman.
Dabei wollte die Autorin schon immer Geschichten und Romane schreiben: „Ich habe meine halbe Kindheit in der Bibliothek verbracht, viel gelesen und auch immer geschrieben“, erzählt sie. Doch die ersten Versuche seien mehr schlecht als recht gewesen – so gehe es wohl anfangs vielen Autoren. Schreiben sei eben nicht nur Talent, sondern auch Handwerk – es täte gut, mit jedem Buch zu sehen, wie man besser werde.
„Durch meine Fantasy-Geschichte hatte ich einen Agenten kennen gelernt – das war ein Glücksfall. Mein Agent Dieter Winkler betreut auch so bekannte Autoren wie Wolfgang und Rebecca Hohlbein“, sagt Doris Niespor: Sie habe ihn einfach angerufen und ihm die „Gewandschneiderin“ geschickt. „Ihm hats so gut gefallen, dass er versuchen wollte, einen Verlag zu finden.“ So landete die Jung-Autorin beim großen Piper-Verlag.
Hinter dem Roman steckt eine Menge Recherche-Arbeit: Doris Niespor beschreibt das mittelalterliche Leben, Arbeiten und Reisen, den Bau der Holzkirche Jever, das Gerberviertel in Oldenburg, bürgerliches Wohnen in Köln, das Dreikönigenhaus in Trier, das Leben im Kloster Bersenbrück und den Hofstaat in der Kaiserstadt Worms – „die Wahrheit ist immer am realistischsten“, meint sie: Stimme das historische Umfeld, könne sich die erfundene Geschichte frei entfalten.
Ursprünglich sollte ihr Roman vom Staufer-Kaiser Friedrich II. (1194 bis 1250) handeln – „er ist unglaublich faszinierend“, sagt Doris Niespor. Die Person der Gewandschneiderin Anna sei entstanden, weil sie einen Gegenpart zu Friedrich brauchte. Zuletzt stellte der Roman dann Anna als starke und – nach mittelalterlichen Vorstellungen – emanzipierte Frau in den Mittelpunkt.
Auch von der Persönlichkeit Doris Niespors ist einiges in die Figur Anna geflossen: „Ich kann es nicht haben, wenn Leute Tiere quälen“, erzählt die Autorin. Und so gibt es zwei Szenen im Roman, in denen Anna eingreift, als Hunde misshandelt werden – Anna setzt ihr Leben aufs Spiel, um die Tiere zu retten.
Doris Niespor plant übrigens eine Fortsetzung der Geschichte um die Gewandschneiderin. Auch der Piper-Verlag sei an einer weiteren Zusammenarbeit mit ihr interessiert. „Mir schwirren viele neue Themen im Kopf herum. Wir überlegen gerade, was ins Programm passt“, berichtet die Autorin. Reizen würde sie ein Roman über Russland zur Zarenzeit. „Zum Beispiel über Katharina“, sagt Doris Niespor.
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