HOLLE - Am Mauerwerk lässt sich schon ein wichtiger Teil der Geschichte der 1277 erbauten St.-Dionysius-Kirche in Holle ablesen. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges sprengte die deutsche Wehrmacht den 1868 an der Westmauer errichteten Backsteinturm. „Den anrückenden kanadischen Truppen sollte von hier aus der Ausguck in das Hinterland des nördlichen Hunteufers verwehrt werden“, sagt Pastor Gundolf Krauel von der ev.-luth. Kirchengemeinde Holle-Wüsting und schüttelt noch heute den Kopf über diese sinnlose Zerstörung.
Nicht nur der Turm, sondern auch die Gewölbe von Vorraum und Schiff der Kirche sowie die 1717 von Christian Vater in Hannover erbaute Orgel wurden unwiderruflich vernichtet. Von 1947 bis 1949 wurde der Westteil wieder aufgebaut. „Seitdem hat die Kirche nur noch einen Eingang an der Westseite“, so Pastor Krauel. Die zwei Eingänge durch die Südmauer wurden verlegt. Die alte Osttür mit behauenen Eichenbohlen und Schloss wurde eingebaut. Der Turm wurde allerdings nicht wieder aufgebaut, stattdessen trägt jetzt ein so genannter „Dachreiter“ die Glocke der Kirche. Die neue Glocke wurde 1948 aus den Trümmern der alten, abgestürzten gegossen.
Bereits 1740 hatte die Kirche einen schweren Schaden erlitten, als die Osthälfte des Gotteshauses – der so genannte „Halbscheid“ – eingestürzt war. Ein Jahr später wurde dieser Teil neu aufgebaut und das Gebäude um neun Fuß verlängert und eine Holzbalkendecke eingezogen.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde die nach holländischen Siedlern benannte „Holländerkerken“ im Jahr 1277. Die Grundform der Kirche ist ein Rechteck gewesen. Im Osten schloss sich ein schmaler Raum mit halbrunder Apsis an. Bei der umfangreichen Renovierung 1977/78 hat man im Klinkerfußboden des Chorraums diese Altar-Nische angedeutet. Die Kirche wurde in der tief liegenden Moormarsch in unmittelbarer Nähe des Huntedeiches auf einer natürlichen Sanddüne 5,7 Meter über Normalnull errichtet. „Sie war damals eine Art Trotzburg auf einem Berg und bot den Bauern Schutz“, erklärt Pastor Krauel.
Im Inneren der Kirche ist die Kanzel ein Schmuckstück. Sie wurde 1637 von Ludwig Münstermann erschaffen und lockt bis heute viele auswärtige Besucher in die Kirche nach Holle. In Auftrag gegeben wurde die Kanzel vermutlich von Johannes Rosa, von 1602 bis 1652 Pastor in Holle. Er war mit der sehr wohlhabenden Anna von Kaukerchen-Sprange verheiratet und dürfte auch die Bemalung der Kanzel durch Achille Mahler aus Augsburg veranlasst haben. Sehenswert ist auch der von Dorothee Helling-Sohmen (Oldenburg) gemeißelte achteckige Taufstein aus Oberkirchner Sandstein, der 1982 in Gebrauch genommen wurde. Die Taufschale aus Messing stammt aus dem Jahr 1626.
Allein der Blick vom Kirchenhügel aus in die tief liegende Moormarsch ist eine Reise nach Holle wert.
Diese Serie stellt markante Häuser in der Gemeinde Hude und ihre Geschichte vor.
