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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Hollywoods deutscher Schurke

09.06.2011

LOS ANGELES Wenn Hollywood einen teutonischen Schurken braucht, dann ist Jürgen Prochnow oft die erste Wahl. In dem Kriegs- und Liebesdrama „Der englische Patient“ (1996) war er ein brutaler Nazi-Offizier. Er spielte den korrupten Richter in dem Stallone-Action-Streifen „Jugde Dredd“ und schlug als Fiesling in dem Anti-Apartheid-Film „Weiße Zeit der Dürre“ zu. In „Sakrileg“ trug er als Bankdirektor André Vernet zwar einen eleganten Anzug, aber auch dieser Charakter hatte eine undurchsichtige Seite. In der TV-Serie „24“ mimte er den Anführer eines osteuropäischen Verbrecherrings. Mit seinem kantigen, zernarbten Gesicht passt der gebürtige Berliner eben perfekt in Hollywoods Schurken-Klischee. An diesem Freitag feiert Prochnow seinen 70. Geburtstag.

Prochnow hat als einer der wenigen deutschen Schauspieler in der kalifornischen Wahlheimat richtig Fuß fassen können. Gelegentlich ist auch ein Low-Budget-Film dabei, wie der Horrorstreifen „Die Fährte des Grauens“ (2007). Ein Jahr zuvor stemmte er mit seinem Landsmann Ralf Moeller in Lederhosen Münchner Bierkrüge. In der amerikanischen Oktoberfest-Komödie „Bierfest“ mussten sie die dümmsten Klischees ertragen.

Seinen Wohnsitz verlegte Prochnow schon in den 80er Jahren nach Hollywood, doch für Fernsehfilme und Theaterauftritte kommt er regelmäßig nach Deutschland zurück. Dort drehte er 2010 den „Tatort“-Krimi „Schlafende Hunde“ und den Fantasyfilm „Die Jagd nach der heiligen Lanze“, in dem er einen skrupellosen Kunstsammler mimte.

Es sei ihm „ein echtes Bedürfnis“, sich wieder mit seiner Muttersprache zu beschäftigen, bekannte er vor Beginn seiner Deutschland-Tournee mit dem „Rilke-Projekt“, bei dem er 2004 Texte vorlas. 2009 machte er mit Kollegen wie Anna Thalbach und Franz Dinda beim „Hesse-Projekt“ mit.

In die Welt des Films und der Bühne flüchtete sich Prochnow mit 14 Jahren. Das Theater, wo er als Laiendarsteller und Beleuchter arbeitete, war sein Zufluchtsort. An der Folkwang-Schule studierte er Schauspiel. Eine Rolle in einem Fernsehkrimi sollte sein Leben verändern: 1973 wurde er von Regisseur Wolfgang Petersen für die „Tatort“-Episode „Jagdrevier“ engagiert. Drei Jahre später schrieben beide mit dem Liebesdrama „Die Konsequenz“ Filmgeschichte. Prochnow spielte darin einen Homosexuellen – damals Grund genug für den Bayerischen Rundfunk, sich aus dem Programm auszublenden.

1981 gelang beiden der internationale Durchbruch. Petersen gab Prochnow die Rolle des strengen, aber menschlichen U-Boot-Kapitäns in „Das Boot“. Seit dem Welterfolg ist er in Hollywood Stammgast. In David Lynchs „Wüstenplanet“ (1984) spielte er einen ritterlichen Fürsten, mit Madonna drehte er den Thriller „Body of Evidence“ (1992), und wieder unter der Regie von Petersen gab er einen russischen Rebellen in „Airforce One“ (1997).

Der Vater von zwei erwachsenen Kindern ist in zweiter Ehe mit der deutschen Schauspielerin Birgit Stein verheiratet.

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