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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ausstellung In Berlin Ehrt Filmemacher: Hommage an Pier Paolo Pasolini

11.09.2014

Berlin Er galt als herausragender Filmemacher, brillanter Essayist und großer Provokateur: Am 2. November 1975 wurde Pier Paolo Pasolini mit 53 Jahren ermordet am Strand vor Rom aufgefunden. Eine Ausstellung in Berlin erinnert jetzt eindrücklich an den berühmten italienischen Regisseur. In einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit mit Barcelona, Paris und Rom zeigt der Martin-Gropius-Bau eine umfassende Dokumentation über sein Leben und Werk.

Paolini hat das Publikum polarisiert wie kaum ein anderer Regisseur. Unbeeindruckt ließ Pier Paolo Pasolini kaum einen seiner Zeitgenossen. „Er hat die Gesellschaft provoziert und damit zur Reaktion gezwungen. Dafür müssen wir ihm noch heute danken“, erklärt Alain Bergala, Co-Kurator der europäischen Wanderausstellung „Pasolini Roma“, die ab Donnerstag bis zum 8. Januar 2015 im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist.

Der Regisseur war mit Filmen wie „Mamma Roma“, „Medea“ und „Decameron“ berühmt geworden. Seine bekanntesten Romane sind „Ragazzi di vita“ (1955) und „Una vita violenta“ (1959). Unter dem Titel „Pasolini.Roma“ konzentriert sich die Ausstellung auf die 25 intensiven Jahre, die der aus dem Friaul stammende Künstler bis zu seinem gewaltsamen Tod in Rom verbrachte. Die Hintergründe des Mordes sind bis heute ungeklärt.

Die Ausstellung beleuchtet Leben und Werk des italienischen Filmemachers und Schriftstellers. Sie untergliedert sein künstlerisches Schaffen in sechs chronologische Kapitel. Multimedia-Installationen führen die Bereiche Kunst, Literatur, Architektur, Film und Leben zusammen.

Durch Gedichte, Briefe und seine Filme spreche Pasolini auch die heutigen Menschen an, verwickle sie in einen Dialog, erklärt Bergala. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt der Cinematheque francaise Paris, der Azienda Speciale Palaexpo-Palazzo delle Esposizioni Rom und des Gropius-Baus.

Pasolinis Filme sind nicht denkbar ohne die Kulisse der Stadt Rom, wohin er mit seiner Mutter 1950 aus dem Friaul geflüchtet war. So zeigt das erste Ausstellungssegment den Blick aus einem Zugfenster – im Hintergrund ziehen schwarz-weiße Erinnerungsbilder vorbei: Pier Paolo mit Freunden beim Fußball und in den Bergen, der als Partisan gefallene Bruder Guido, die Mutter Susanna und Vater Carlo Alberto.

In seiner alten Heimat wurde Pasolini aus dem Schuldienst und der Kommunistischen Partei ausgeschlossen, da er wegen sexuellen Missbrauchs Jugendlicher angezeigt war. Es sollten in den nächsten 25 Jahren weitere 31 Anklagen folgen: Die Verdächtigungen reichten vom „maßgeblichen Massaker an Schafen“ bis hin zu „verdächtigem Verhalten“. Von allen Vorwürfen wurde Pasolini freigesprochen.

Aufgrund seiner Homosexualität und seiner avantgardistischen Sicht auf die Welt sollte er jedoch sein Leben lang ein „systematisch institutionell Verfolgter“ bleiben, so Bergala. Über seine erste Zeit in Rom schrieb Pasolini: „Ich lebte diese Seite eines Romans, des einzigen in meinem Leben: im übrigen – was soll es – lebte ich lyrisch wie jeder Besessene.“ Rom wurde für ihn ein Observatorium: Die Stadt bot ihm den Stoff für eine kritische Gesellschaftsanalyse der 1960er und 1970er Jahre.

Aber es war mehr als eine distanzierte Betrachtung, vielmehr verband ihn mit Rom eine leidenschaftliche Liaison mit großen Gefühlen: Liebe, Hass, Obsessionen, Entfremdung. Später sollten Paris und New York als Sehnsuchtsorte hinzukommen und auch die „Dritte Welt“ den Intellektuellen verstärkt in ihren Bann ziehen. Ungeachtet dessen blieb Rom sein Lebensmittelpunkt.

Vor dem Hintergrund der Ewigen Stadt beschäftigte sich Pasolini – von der New York Times als ein von „Gott besessener Atheist“ betitelt – intensiv mit theologischen Fragen. So steht im Film „Das 1. Evangelium – Matthäus“ (1964) das soziale Engagement Jesu im Fokus. „Nichts scheint mir gegensätzlicher zur modernen Welt als jene Christusfigur: sanft im Herzen, aber nie im Denken“, vermerkte der Filmemacher in seine Notizen.

In „Teorema – Geometrie der Liebe “ spielt der Schauspieler Terence Stamp einen Mann, der die Mitglieder einer Industriellenfamilie verführt und sie damit ins seelische Chaos und in die Leere stürzt. Der Film spaltete 1968 die Gemüter. Während die Katholische Filmorganisation „Teorema“ auf der Biennale von Venedig noch einen Sonderpreis, den „Premio OCIC“, verlieh (um diesen später mit dem Argument zurückzuziehen, er verletze religiöse Gefühle), wurde der Film von einer breiten Öffentlichkeit als „obszön“ gebrandmarkt. Pasolini drohte erneut eine Gerichtsverhandlung.

Aber wie hielt Pasolini es mit der Religion? „Ich bin religiös, weil ich eine natürliche Identifikation zwischen der Realität und Gott sehe. Die Realität ist göttlich“, so der Regisseur. Die Schau endet mit einer Filmaufnahme auf den Strand vor Pasolinis Ferienhaus in Ostia. Hier wurde am 2. November 1975 sein gewaltsam zugerichteter Leichnam aufgefunden. Der Täter ist bis heute nicht bekannt.

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