HUDE - Efeu rankt sich an den Eichenstämmen empor, auf den saftig grünen Rasen sind Sägespäne gefallen. Klopfen ist zu hören, ab und an wird eine Motorsäge angeworfen. Das ist Szenerie des Huder Bildhauersymposiums im Park des Hauses Marienhude. In der Werkzeugtasche von Thorsten Schütt liegen verschiedene Hohleisen. Den 750 Gramm schweren Knüpfel hat Schütt in der Hand und bearbeitet damit vorsichtig den Eichenstamm.
Auf Rundhölzern oder Holzböcken sind die tonnenschweren Stämme abgelegt. Das war meine einzige Bedingung, erklärt Schütt, der die künstlerische Leitung des seit Sonnabend stattfindenden Symposiums übernimmt, dass wir nur Eichen verwenden. Wenn dann jemand ein Werk kaufe, habe er die 50 Jahre etwas davon, weil Eichen so haltbar seien. Passenderweise arbeiten die fünf Künstler auch im Halbschatten von hoch gewachsenen Eichen.
Schweres Gerät
Zum Bearbeiten der Stämme werden schwere Geräte gebraucht: Mit Motor- und Elektro-Kettensägen, aber auch Winkelschneidern verwandeln die Künstler das tote Holz in lebendige Kunst. Bei den Spänen und kleinen Holzpartikeln ist teilweise eine Atemschutzmaske nötig, die Sägen erfordern Sicherheitsschuhe. Mit orangefarbenen Ohrenschützern und schwarzer Schutzbrille sägt auch Simone C. Levy an ihrem Werk, das etwa eine Tonne wiegt. Für die 53-Jährige ist das Bildhauen der Weg, mit dem sie sich am besten ausdrücken kann. Dinge, die nicht fassbar oder mit den Augen zu sehen sind, kann ich durch das Bildhauen am besten nach außen tragen. Ihr Werk trägt den Titel Weg zur Erleuchtung und zeigt auf, wie man von der Geburt an verbildlicht mit einer Art Sockel Irrungen und Wirrungen im Leben begeht. Diese Umwege wollte die Künstlerin mit den verschlungenen Elementen ausdrücken. An solchen Hintergedanken lassen die Künstler Interessierte auf Nachfrage teilhaben, Thorsten Schütt erklärt: Die teilnehmenden Künstler sind sehr kommunikativ. Der lockere, gesprächige Charakter des Symposiums wird auch an den aufgebauten Bierbänken und Zelten deutlich. Zwar sind es bislang keine Menschenmassen, die zum Park kommen, aber Betrieb ist immer da, so Organisator Schütt. Er ist nicht nur den Sponsoren, sondern auch den Mitarbeiterinnen der Diakonie für die Unterstützung dankbar. Während des Symposiums tauschen sich nicht nur die Bildhauer untereinander aus, sondern auch mit ihren Huder Gastfamilien aus.
Spiegel der Seele
Für Organisator Thorsten Schütt hat das Bildhauen eine meditative Wirkung: Meine Gedanken fließen da immer mit ein. Er arbeitet mit dem Knüpfel Augen in den Stamm ein, dann wird er den Stamm weiß und die Augen mit Leinöl lackieren, damit sie optisch hervortreten. Er möchte damit ausdrücken, dass man vieles, wie zum Beispiel die Bilder im Fernsehen, hinterfragen soll.
Die Motive sind so unterschiedlich wie die kreativen Teilnehmer selbst. Doch eines haben sie wohl gemeinsam, wie es der holländische Künstler Oene van der Veen formuliert: Das Werk ist ein Spiegelbild des eigenen Gemütszustandes. Er selbst meißelt eine lange Figur in den Stamm. Sie sei zwischen dem Materiellen, wofür der Erdboden steht, und dem Spirituellen wofür der Himmel steht hin- und hergerissen, erklärt er. Der Gesichtsausdruck der geschnitzten Figur hingegen ist klar erkennbar: Sie ist glücklich.
