HUDE - Von irgendwoher dringt irische Flötenmusik ins Treppenhaus der Peter-Ustinov-Schule, mischt sich mit den Klängen von Dudelsäcken. Hinter den verschlossenen Klassenzimmertüren wird musiziert, gesungen, gehandwerkt oder Gälisch gepaukt: Das Workshop-Programm der Celtic Days hat Menschen aus der ganzen Region nach Hude gelockt.

Im Raum 227 geht der jüngste Seminarleiter der Celtic Days ein schottisches Lied mit den sechs Kursteilnehmern durch. Padruig Morrison ist erst 15 Jahre alt, gilt aber als Ausnahme-Akkordeontalent. Er tippt den Rhythmus mit seinem Fuß und zählt den Takt, während seine Schüler sich an „Annabel’s Midgie Bite“ versuchen, einem Lied, das er selbst geschrieben hat. „Super“, lobt er die Teilnehmer.

Einige der „Jigs“ und „Reels“ stammen aus der Feder seines Vaters, andere wiederum aus der seines Großvaters, viele haben gälische Titel und zu vielen hat Padruig Morrison zudem die Hintergrundgeschichte parat. Und manchmal sogar die passende Tanzeinlage. Die Teilnehmer gefällt’s – auch wenn sie sich lieber aufs Spielen konzentrieren. „Er spielt die Lieder vor und dann erarbeitet er die Zeile für Zeile mit uns“, erklären Adda Reinken und Anke Hagenbuche. Auch Spieltechniken gehören zu den Kursinhalten, es gibt zum Beispiel Tipps fürs Fingersetzen. Petra Teske will den Kurs als Wiedereinstieg nutzen. „Ich hatte gerade eine lange Pause und wollte den Kurs als Anregung nehmen, wieder anzufangen“, erklärt sie und schwärmt. „Diese Art und Weise und die Rhythmen, die kannte ich noch nicht – das gefällt mir.“

Auch der Huder Musiker Stefan Isenberg lässt sich von Padruig Morrison Ratschläge fürs Akkordeon-Spiel geben – und will das auch gleich umsetzen, sagt er: beim nächsten „Hude Live“-Konzert am Dienstag in der Alten Mühle.

Weniger musikalisch, aber umso schweißtreibender geht es am Sonnabend im Kreativzentrum der regio­VHS zu. Während es draußen deutlich über 20 Grad sind, sitzen im Keramikraum rund ein Dutzend Männer und Frauen vor Bunsenbrennern, schmelzen dünne Glasstäbchen in den Flammen. „Handwerk der Kelten – Antike Glasperlenherstellung“ steht auf dem Stundenplan.

„Glasperlen haben hierzulande lange ein Dasein als Billig-Produkt gefristet“, erklärt Kursleiter Harald Fricke von „Agil – Büro für angewandte Archäologie“. Das würde sich langsam ändern – und selbst gemachte Perlen seien ohnehin unbezahlbar, fügt er hinzu und lacht.

„Es ist anstrengend und man muss sich konzentrieren“, sagt Teilnehmerin Silke Schütte, der der Kurs aber „super Spaß“ macht. Zufrieden ist auch Alfred Janßen vom veranstaltenden Verein Pro Musica Activa: „Es gab viel Lob für die Werkstätten“, sagt er. 450 Teilnehmer hätten sich angemeldet – etwa 15 Prozent mehr als 2010.