Hude - Das letzte Lied ist verklungen. Der Männergesangverein Hude hat sich aufgelöst. Und das nach mehr als 130 Jahren des Bestehens. Ein weiteres Stück traditionellen Huder Kulturgutes verschwindet für immer. „Es ist der fehlende Nachwuchs. Wir hatten zum Schluss nur noch acht aktive Sänger“, berichtet der 2. Vorsitzende Jürgen Ahrens. Zusammen mit dem Vorsitzenden Hartmut Otto und Kassenwart Dieter Mueller hat er die schwere Aufgabe der „Abwicklung“ des Vereins übernommen. Die Auflösung von Gesangvereinen liege leider im Trend. „Wir können den eigenen Anspruch an uns, was die Chorqualität betrifft, nicht mehr erfüllen“, stellen die letzten Huder Sänger fest. Auch die schon vor Jahren vollzogene Aufnahme von modernem Liedgut, wie Stücke aus Musicals und Filmen, habe nicht dazu geführt, neue Sänger zu gewinnen.
Mit Wehmut blickt der Chor auf die 70er und 80er Jahre zurück. Da gehörten noch bis zu 30 aktive Sänger dem Männergesangverein an.
Der Männergesangverein Hude bestand seit 1887 und war damit einer der traditionsreichsten Vereine der Gemeinde. Der Chor wurde seinerzeit von 15 sangesfreudigen Männern gegründet.
Nachdem die ersten Jahre erfolgreich verliefen, hatte der Gesangverein die Kriegszeit zu überstehen, in der Chorarbeit nicht möglich war und in der auch Protokolle aus den Gründungsjahren und Partituren verschwanden. Im Dezember 1945 lebte der Huder Chor neu auf – als Leiter fungierte, wie bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, Lehrer August Wessel. Seit 1988 leitete Hermann Konermann den Chor.
Seit 1990 besteht eine Partnerschaft mit dem Männerchor in Seelingstädt bei Gera in Thüringen. Es war ein Beitrag zur Wiedervereinigung. Zahlreiche Besuche und Gegenbesuche hat es gegeben und gemeinsame Auftritte der Chöre. Es sind Freundschaften entstanden, die bis heute andauern. Im Jahr 2000, zum zehnjährigen Bestehen der Partnerschaft, wurde eine Buche in Hude gepflanzt.
Die Mitwirkung beim Gemeindesängerfest, beim jährlichen Hasbruchsingen und das Singen im Seniorenzentrum am Sonnentau: das alles gehört jetzt der Vergangenheit an. Gerne erinnern sich die Sänger auch an die großen Feste. 1987, zum 100-jährigen Bestehen, als dem Huder Männerchor die Zelter-Plakette verliehen wurde und es ein Konzert in der Halle am Huder Bach gab. Oder 1997, zum 110-jährigen Bestehen. Beim Jubiläumskonzert wirkten auch auswärtige Chöre und das Hornquartett des Oldenburgischen Staatstheaters mit. Im Jahr 2012, als das 125-jährige Bestehen ebenfalls mit einem Jubiläumskonzert gefeiert wurde. Es war die letzte große Veranstaltung in der Vereinsgeschichte.
Abschied nehmen musste Chorleiter Hermann Konermann. Er hielt mehr als 30 Jahre dem Chor die Treue, studierte zahllose eingängige Musikstücke mit den Sängern ein. „Es hat mir immer Freude gemacht. Es war auch eine prägende Zeit für mich“, so Konermanns Worte an die Sänger. Der Vorstand dankte dem Chorleiter für seinen unermüdlichen Einsatz und der Vereinswirtin Heide Wachtendorf für ihre stete Gastfreundschaft in den vergangenen 25 Jahren. Den verbleibenden Kassenbestand wolle man einer gemeinnützigen Einrichtung spenden.
Die Vereinsfahne soll einen würdigen Platz in der Klosterschänke finden. Gastwirt Jens Burgdorf hat sich dazu bereiterklärt. In der Klosterschänke fand 1887 die Gründung statt, und bis 1966 war sie auch das Vereinslokal.
