HUDE - Kartoffelsalat mit Würstchen oder Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen – eines davon ist doch auf jeden Fall das typisch deutsche Weihnachtsessen. Aber was isst man überhaupt in anderen Ländern? Feiert man dort überhaupt Weihnachten und was für Bräuche gibt es dort?

Die NWZ hat einmal nachgefragt, bei Hudern, die im Ausland gelebt haben oder noch leben. So zum Beispiel bei Kaija und Bjarne Fosså. Sie kommt aus Finnland, er aus Norwegen. Gemeinsam mit ihren Söhnen Jon und Henrik haben sie Weihnachten im vorigen Jahr in Finnland gefeiert. Kälter und früher dunkel ist es dort, und meist gibt es ganz viel Schnee. „Mittags essen wir Milchreis“, erzählen Jon (7) und Henrik (7). „Mit einer Mandel drin“. Wer die findet, hat Glück und darf sich etwas wünschen. Nach dem Gottesdienst werden in Finnland Kerzen auf den Friedhof gebracht. „Und dann gehen wir natürlich am Heiligen Abend noch in die Sauna“, sagt Kaija Fosså und lacht. „Das vergessen wir immer, weil es für uns so normal ist.“

In Hongkong dagegen käme wohl keiner auf die Idee, in die Sauna zu gehen. Hier wird auf der Straße gefeiert. „Die jungen Menschen gehen an dem Tag aus oder kochen gemeinsam“, erzählt Baoyen Wong. Ein ganz normaler Tag war Weihnachten dagegen für Artan Rapka, als er noch in Albaniens Hauptstadt Tirana lebte. „Wir haben nur eine Kleinigkeit gemacht, etwas Besonderes gegessen oder so“, sagt er. Geschenke und die große Feier gab es dann Silvester.

In Polen wiederum wird der Heilige Abend festlich mit der Familie begangen. Nach dem Putzen wird der Tannebaum geschmückt und der Tisch eingedeckt. Ein Gedeck und ein Stuhl bleiben immer frei. „Falls ein unerwarteter Gast kommt“, erzählt Aneta Redmann. Nachdem der erste Stern am Himmel auftaucht, kann das Festessen beginnen. Zwölf verschiedene Speisen gibt es, darunter Karpfen, Suppe, Salat und Gebäck – und alle müssen probiert werden. Nach dem Auspacken der Geschenke und dem Singen von Weihnachtsliedern verschwinden die Kinder, die auf dem Land leben, im Stall. „Denn bei uns gibt es die Legende, dass die Tiere in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember sprechen können.“

Weniger mystisch, dafür sehr viel heller geht es in den USA zu. „Straßenlaternen brauchen wir hier im Moment wirklich nicht“, erzählt Ann-Christin Schubert, die seit Juni bei einer Gastfamilie im momentan verschneiten Eden Valley lebt. „Ein Haus strahlt mehr als das nächste.“ Aber die Dekorationen hängen nicht nur an den Häuserfassaden, sondern auch an den Tannenbäumen, die schon Anfang Dezember aus den Kellern geholt werden. Geschenke gibt es aber erst morgens am 25. Dezember.

Christlich geprägt ist das Weihnachtsfest in Ghana. „Man feiert dort mit der Familie in der Kirche“, erzählen Carola und George Sackey.

Mohammad Nouri, seine Frau Saida Ahmad-Goli und ihre Töchter Parnaz und Yasamin kamen 1999 aus Teheran nach Deutschland, seitdem feiern sie auch Weihnachten. „Mit Tannenbaum und Weihnachtsmann“, sagt Saida Ahmad-Goli. „Aber ohne deutsches Weihnachtsessen, wir gehen Essen oder machen Huhn und Reis“, erzählt Mohammad Nouri.

Ob Kartoffelsalat, Gänsebraten, Karpfen, Milchreis oder Huhn – Hauptsache ist der Geschmack von Weihnachten.