HUDE - Dr. Ulrich Wilke wollte kein weiteres Fachbuch verfassen. Vielmehr stellt er populär und plakativ mit lokalen Bezügen das Leben des Neuenhuntorfers dar.
Von Matthias Kosubek
HUDE - Sein bewegtes und schillerndes Leben böte Stoff für eine mehrteilige Fernsehserie: Als Sohn eines Deichvogtes und Gutsherren in Neuenhuntorf geboren, zog es ihn bereits mit 17 Jahren hinaus in die Welt. Er kämpfte an der Seite Prinz Eugens, diente Landgrafen, Fürsten, Königen und russischen Zaren, entwarf Kanäle, stieg kometenhaft bis zum Generalfeldmarschall und sogar Minister auf, fiel in Ungnade und lebte 20 Jahre in sibirischer Verbannung, wurde rehabilitiert und starb als 84-jähriger in St. Petersburg.Die Rede ist von Burchard Christoph von Münnich (1683 bis 1767), über den Katharina die Große sagte: „Obgleich Münnich kein Sohn, so war er doch ein Vater des russischen Reiches“. Über diesen hochgebildeten Mann, der mehrere Sprachen fließend beherrschte und unter anderem mit Voltaire und Friedrich dem Großen korrespondierte, hat der Huder Arzt Dr. Ulrich Wilke ein Buch mit dem Titel „Von der Hunte an die Newa“ verfasst.
Dabei ging es dem Mediziner und Hobbyhistoriker nicht darum, die bereits vorhandenen Fachliteratur zu erweitern. Vielmehr wollte er populär und plakativ von Münnichs Leben darstellen, „den großen Sohn des Oldenburger Landes vor dem Vergessen bewahren“ und auch Bezüge zu Hude herstellen. Schließlich war von Münnich mit einer jungen Frau aus der „Nachbarschaft“, Christina Lucretia von Witzleben, verheiratet.
Zwei Jahre lang hat Wilke, 1930 im brandenburgischen Eberswalde geboren und 40 Jahre in Hude als Arzt tätig, für sein Buch auch in Archiven recherchiert, auf entsprechende Literatur, insbesondere eine 1938 erschienene Biografie von Melchior Vischer aufgebaut, bereits vor dem Erscheinen Vorträge über von Münnich gehalten. Aus dem Archiv der Eremitage, des großen Petersburger Museums, bekam er die Reproduktion eines Kupferstiches, der von Münnich in vollem Ordensschmuck zeigt. Ein Ölbild von Münnichs hing bis 1917 in der protestantischen Kirche St. Petri in Petersburg, dessen Bauherr und Patron von Münnich war. Es ist in den Revolutionswirren verschwunden.
Eine von einem Bremer Bildhauer im Jahre 1841 geschaffene Büste steht übrigens in der Walhalla, jener Ruhmeshalle bei Regensburg, die Bayernkönig Ludwig I. errichten ließ.
Von Münnich, davon ist Wilke überzeugt, war eine der herausragendsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Das Bild, das die Nachwelt von ihm gezeichnet hat, veränderte sich je nach den politischen Verhältnissen und schwankte zwischen Bewunderung und Verachtung.
Das broschierte Buch „Von der Hunte an die Newa“ ist mit Karten und Fotos illustriert. Es kostet 19 Euro und ist unter ISBN 3-89906-970-6 im Buchhandel zu beziehen.
