HUDE - Zwei Schalen stehen im Esszimmer von Egon Wachtendorf: eine mit Markstücken und eine mit Groschen. Wer meint, damit könnte man heute nichts mehr anfangen, der irrt. Denn die Münzen öffnen quasi das Tor zu einer Welt voller Musik.
Geburtstagsgeschenk
Egon Wachtendorf liebt die Musik der 70er Jahre und besitzt neben einer Sammlung von 1800 Langspielplatten, 2000 Singles und 800 CDs auch eine Musikbox. „Meine Frau und ein paar Freunde haben sie mir zum 30. Geburtstag geschenkt“, erzählt der 45-jährige Huder. In der Maschine ist Platz für 60 Platten. Eine davon – „Schön und kaffeebraun“ – gehörte früher einmal Egon Wachtendorfs Oma. Die Platte, die Vico Torriani in den 50er Jahren veröffentlichte, habe seine Oma in einer Musiktruhe aufbewahrt, erzählt Egon Wachtendorf. Der Journalist und Buchautor kann sich auch noch genau an seine erste Single erinnern: „Ich bin verliebt in die Liebe“ von Chris Roberts. „Die habe ich zu meinem siebten Geburtstag geschenkt bekommen“, erinnert er sich. Auch Michael Holm habe er als Kind gemocht, mit 14 Jahren habe er dann aktuelle Musik aus der Hitparade gehört.
Vom Konfirmationsgeld kaufte sich Egon Wachtendorf seine erste Stereoanlage, auf der er dann hauptsächlich Rockmusik spielte. „Durch jemanden aus meiner Klasse kam ich zu Status Quo. Irgendwann hatte ich dann alles von der Band“, erzählt der Journalist. Mit der Gruppe Uriah Heep habe er dann eine „absonderliche Richtung“ eingeschlagen. Die Gruppe habe Anfang der 70er große Erfolge gefeiert. Als er auf sie aufmerksam wurde, sei sie nicht mehr sehr populär gewesen. „Für mich war es die Musik, die ich zu der Zeit gebraucht habe“, sagt der Huder. Bis heute ist Uriah Heep die Lieblingsgruppe von Egon Wachtendorf. Das Repertoire der Band reicht von Hardrock-Stücken bis hin zu ruhigen Liedern. In Egon Wachtendorfs Roman „Sieben Sommer lang“ spielt Uriah Heep ebenfalls eine große Rolle. Darin ist die Hauptfigur Ruprecht Rüdebusch sieben Jahre lang auf der Suche nach einer Platte von David Byron, Mitbegründer und erster Sänger der Band Uriah Heep.
Ähnlich ist es auch bei Egon Wachtendorf. Obwohl er in seiner umfangreichen Sammlung unter anderem alle Platten von Status Quo, Uriah Heep, Slade, AC/DC, Deep Purple, Led Zeppelin, Black Sabbath und auch von weniger bekannten Gruppen wie Airrace, Rose Tattoo oder Karthago hat, ist er hin und wieder auf der Suche. Allzu schwer sei es im Zeitalter von Ebay jedoch nicht mehr, sagt Egon Wachtendorf, der früher beruflich viel im In- und Ausland unterwegs war und dort zahlreiche Second-Hand-Plattenläden durchstöbern konnte. Nach einer Platte sucht der 45-Jährige allerdings schon seit 24 Jahren – nach dem zweiten englischsprachigen Album der ungarischen Gruppe Karthago. „Ich habe sie 1986 in Österreich schon einmal in der Hand gehabt. Sie war ziemlich teuer, deswegen wollte ich sie lieber in Deutschland kaufen. Dort ist sie aber nicht erschienen“, erzählt Egon Wachtendorf.
Keine aktuelle Musik
Für aktuelle Musik hat der Plattensammler nicht allzu viel übrig. „Das spricht mich nicht an“, sagt er. Früher habe er versucht, andere Menschen von guter Musik zu überzeugen. Inzwischen sei er jedoch toleranter. „Heute sage ich, wenn Musik Gänsehaut macht, dann passt sie“, erzählt Egon Wachtendorf. Er selbst bekommt häufig Gänsehaut, wenn er eine seiner vielen Lieblingsplatten auflegt: „Musik ist für mich etwas für die Seele.“
