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INTERVIEW Demokratie im Kinderzimmer geht nicht

STEPHAN ONNEN

HUDE - „Nein. Gleich. Später“ – solche Antworten können Eltern zur Weißglut bringen, wenn sie ihre Kinder x-mal bitten, ihr Zimmer aufzuräumen. Ruckzuck verlieren Eltern die Nerven und fangen an zu schreien. „Wege aus der Brüllfalle“ zeigt der Detmolder Regisseur und Medienpädagoge Wilfried Brüning am Mittwoch, 4. November, bei einem Film- und Vortragsabend in Hude auf.

Frage: Herr Brüning, Sie sind selber Vater von zwei Kindern im Alter von 11 und 14 Jahren. Kommen Sie ohne Brüllen aus?

Brüning: Nein, überhaupt nicht. Wer das schafft, ist fast unnormal. Aber wenn ich brülle, dann nicht Sachen wie „Du Idiot“ oder „Du bist das Letzte“, sondern „Ich bin so sauer“ oder „Das regt mich so auf“. Ich darf mein Kind nicht degradieren und nicht erniedrigen.

Frage: Das heißt, Eltern müssen keine Schuldgefühle haben, wenn sie einmal laut werden?

Brüning: Genau. Es ist ganz wesentlich, sich von Schuldgefühlen zu lösen. Wenn es laut wird, heißt das nicht, man versagt in der Erziehung. Ich werde beim Elternabend ein Konzept vorstellen, wie es gelingt, eindeutig zu sein. Eltern müssen sich ihren Kindern klar als Erziehende zu erkennen geben. Sie sollten nicht zu viel reden und lange Vorträge halten, sondern konsequent handeln und kurze, klare und ruhige Ansagen machen.

Frage: Das klingt, als würden Sie von Demokratie im Kinderzimmer nicht viel halten?

Brüning: Das geht überhaupt nicht. Ein Drittel der Entscheidungen treffen die Eltern. Bei der Frage, wie lange Fernseh geguckt oder ob zur Schule gegangen wird, haben Kinder nicht mitzudiskutieren. Beim zweiten Drittel der Entscheidungen sind Eltern und Kinder gemeinsam gefragt, etwa wenn es um die Wochenendgestaltung geht. Und das dritte Drittel können Kinder selber entscheiden, zum Beispiel wenn sie sich am Abend überlegen, was sie am nächsten Morgen anziehen möchten. Der Partnerschaftsgedanke zwischen Eltern und Kindern ist grandios gescheitert. Mit dem Versuch, Kumpel zu sein, betrügen Eltern ihre Kinder.

Frage: Warum können Eltern und Kinder nicht gleichwertige Partner sein?

Brüning: Eltern machen gerne den Fehler, ihre Kinder als vernunftbegabte Partner auf Augenhöhe zu sehen. Bis 16 brauchen sie bei ihren Kindern aber nicht mit Vernunft zu rechnen. Dafür fehlt denen die Hardware im Kopf. Eltern sollten sich klar distanzieren und nicht versuchen, eine Symbiose herzustellen.

Frage: Wie können sich Eltern ohne Brüllerei und Drohungen durchsetzen?

Brüning: Das Zauberwort heißt Kontakten. Wenn ich etwas erreichen möchte, schaffe ich das nur in zehn Prozent der Fälle durch Reden, bei 20 Prozent komme ich mit Mimik und Gestik weiter, bei 70 Prozent ist die Körperhaltung entscheidend. Wenn ich etwas von meinem Kind will, muss es mich sehen können. Hochrufen über drei Etagen bringt nichts. Kinder sind beim Spielen in eine eigene Welt eingehüllt. Durch diese Hülle können Eltern dringen, wenn sie selbstbewusst in Erscheinung treten und deutlich machen: Jetzt gilt das, was ich sage.

Frage: Was unterscheidet Ihren Film „Wege aus der Brüllfalle“ von Doku-Soaps wie der „Super-Nanny“?

Brüning: Man sieht an der Resonanz von „Super-Nanny“, wie groß der Bedarf von Eltern nach Informationen zum Thema Erziehung ist. Erziehung war noch nie so schwierig wie heute. Fakt ist: dieses Format verstehen Eltern. Schlecht ist die Sendung aber, weil sie nur Extrembeispiele zeigt und einen reißerischen Charakter hat. In meinem Film spielen Eltern mit, die authentisch sind. Im Gegensatz zu RTL möchte ich niemanden vorführen, sondern Eltern stark machen.

Großer Elternabend am 4. November

Zum großen Elternabend

lädt der Huder Präventionsrat in Kooperation mit der regioVHS, der Gleichstellungsbeauftragten, den Schulen und Kindergärten am Mittwoch, 4. November, in die Mensa der Peter-Ustinov-Schule ein. Beginn ist um 19.30 Uhr. Die Besucher erwartet ein lebendiger Abend mit Filmvorführung und Denkanstößen. Der Eintritt kostet drei Euro. Karten gibt es im Vorverkauf im Kulturhof, Parkstraße 106.

Informationen zum Konzept der Veranstaltung auf der Internetseite des Referenten

unter www.wege-aus-der-

bruellfalle.de

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