HUDE - „Was ist das, diese Liebe?“ Auf der Suche nach der Antwort konnte man am Sonnabend Etta Scollo (53) in Hude folgen. Warme, tiefe, volle Töne wechselten mit hohen Schwingungen, Verzierungen, mit lautem, wildem Geschrei. So facettenreich und wandelbar der Gesang von Etta Scollo ist, so vielseitig scheint auch die Liebe.

Die gebürtige Italienerin, die heute in Berlin lebt, singt von ironischer, ernster, ewiger und kurzer Liebe, vom Zusammensein und vom Alleinsein. Meist in ihrer Mutter-sprache, manchmal auch auf Deutsch, wie den Cissy-Kraner-Chanson „Der Novak“. Ein sehr persönlicher, beinahe intimer Abend wurde es, als erzähle sie von ihrem eigenen Leben. Und wer genau zuhörte, hatte auch die Bilder vor Augen, von denen sie sang.

Ihr Studium in Kunst und Architektur brach sie einst ab, gewann nach einer erfolgreichen Ausbildung in Gesang und Tanz am Konservatorium Wien den ersten Preis beim Diana Marina Jazz-Festival und vereint nun sizilianische Tradition, Pop, Jazzeinflüsse, Chansons und vielleicht auch ein klein wenig Extravaganz.

Etta Scollo flog durch die Oktaven, als gäbe es keine. Keine Hürden, keine Sprünge, keine festgelegten Lagen, kei-ne Grenzen. Mit ihrer Band präsentierte sie Arrangements, die mal nur mit einer akustischen Gitarre, mal nur mit Percussion, mal mit der ganzen Band getragen werden Die Band besteht aus Cathrin Pfeifer am Akkordeon und Klavier, Susanne Paul am Cello und Hinrich Dageför an Gitarre, Percussion, Mandoline und Mandola. In die Hände der Sängerin wandert bei jedem Stück ein anderes Instrument: Gitarre, Mundharmonika, Percussion, auch ein halb gefülltes Weinglas. Nach einem kurzen Intermezzo mit Wein und Laugengebäck folgte der zweite Teil mit deutlich mehr Pop.

Der Huder Klostersommer, organisiert vom Kulturverein Impuls, fand diesmal zwar nicht beim Kloster statt – kein Sommer, kein Kloster –, aber nach nur wenigen Minuten hatte man ohnehin nicht mehr das Gefühl, in einer Mehrzweckhalle am Huder Bach zu sitzen. Etta Scollo präsentierte ein Herz, das auf Wanderschaft geht. Schön, dass man an dieser Reise teilnehmen durfte.