HUDE - Laut Kalender ist es Sommer, Grund für Kulturliebhaber von nah und fern, sich auf den Huder Kultursommer zu freuen. Er ist ein alljährlich wiederkehrendes kulturelles Highlight und verspricht Kennern und Genießern handverlesener Kunst anspruchsvolle, experimentelle, laute oder leise Kultur, in der Regel vor der malerischen Kulisse der historischen Klosterruine. Das Freitagabend aufgeführte Theaterstück Weiberrevue, inszeniert vom ersten integrativen Theater Ramba Zamba, vereinte all diese Ideen.
In der schillernd bunten Weiberrevue spielt Nele Winkler ein junges Mädchen auf dem Weg zur Frau, auf der Suche nach sich selbst. Dabei wird sie begleitet von einer Traumband, sie trifft auf andere Traumfrauen, macht neue Erfahrungen, probiert sich aus, spürt das pralle Leben. Ob im Matrosenhemd, im schillernden paillettenbesetzten Abendkleid oder unterm rotglänzenden Schirm, die Kostüme muten märchenhaft an und lassen die Schauspieler mit einer bunten Leichtigkeit daherkommen, die den Zuschauern den Atem raubt. In der Weiberrevue wird sich geziert oder kokett gedreht, mondän geräkelt, gerülpst, gesungen, gelacht, getanzt, das Ganze ist ein furioses sinnliches Spektakel, das unter die Haut geht.
Veranstaltet wird der Huder Kultursommer von dem kleinen, aber feinen Kulturverein Hude Impuls, der sich nicht nur die Förderung der Kulturarbeit und die Förderung ortsansässiger und regionaler Künstler auf die Fahne geschrieben hat, sondern der auch Verbindungslinien zwischen Kunst und sozialem Engagement schaffen will. Jahr für Jahr sind die Mitglieder auf der Suche nach Kunst, die provoziert, die aufrüttelt, die verbindet.
Das Berliner Theater wurde vor 20 Jahren gegründet, mittlerweile gastiert die Truppe im In- und Ausland und heimst immer wieder Preise ein. Die Schauspieler des total verrückten Theaters haben alle ein Handicap: das macht ihnen den Alltag oft zur Qual - ihre Kunst aber wild und poetisch.
Nicht alle Darsteller können deutlich sprechen, aber was sie alle fantastisch können, ist, überaus temperamentvoll Theater zu spielen und mit unerschöpflicher Energie Musik zu machen. Wenn Nele den Gassenhauer von Marlene Dietrich, Ich bin die fesche Lola, anstimmt oder übersprudelnd laut fröhlich singt Mir gehts gut, springt die übermütige Stimmung über aufs Publikum, es wird geklatscht und mitgesungen. Spätestens bei dem rührig-wild zum Ausdruck gebrachten Ohrwurm Über viele Brücken musst du gehen ist auch der letzte Zuschauer mitgerissen von der großartigen Leidenschaft der Menschen auf der Bühne. Es ist gelungen: die Ramba-Zamba-Darsteller haben in Hude die Herzen vieler Menschen erreicht.
