HUDE - Die Holzdielen knarren unter den Füßen der Besucher ein vertrautes Geräusch, wenn die Galerie Klostermühle zur Vernissage lädt. Am Sonntagnachmittag knarrte es besonders häufig, denn zu Dutzenden strömten die Besucher in die alte Wassermühle. Der Andrang hatte nicht nur etwas mit der Qualität des ausstellenden Künstlers Jonny Lüpkes aus Delmenhorst zu tun, sondern mit dem bevorstehenden Ende der Ära des Galeristen-Paares Anette und Wolfgang Hadrich. Dies ist unsere letzte Ausstellung, sagte Anette Hadrich mit belegter Stimme.
33 Jahre nach der ersten Ausstellung mit dem New Yorker Künstler Marcus Pini soll jetzt Schluss sein. Lüpkes Reisebilder werden noch bis zum 1. Juni gezeigt, danach folgt eventuell noch eine gemischte Ausstellung mit Werken unterschiedlicher Künstler, die das Ehepaar Hadrich gerne noch verkaufen möchte, bevor es am Jahresende die Galerietür endgültig abschließt.
Für Anette und Wolfgang Hadrich war die Galerie Klostermühle voll und ganz zum Lebensinhalt geworden. Seit 1975 präsentierten sie im Huder Klosterbezirk ausgewählte Kunst, vornehmlich Malerei. Wir haben immer das gezeigt, was uns gefällt, sagt Anette Hadrich. Es sei jedoch zunehmend schwieriger gewesen, Trends aufzuspüren und passende Künstler zu finden, deren finanzielle Vorstellungen sich im Rahmen hielten. Mit dem Konzipieren von Ausstellungen alleine war es nicht getan Plakate mussten entworfen und eigenhändig verteilt werden, die unbeheizte Mühle musste in Schuss gehalten werden. Das alles übersteigt unsere Kräfte, sagt Anette Hadrich. Zudem explodiere die Kunstszene: Jedes Cafe´zeigt mittlerweile Ausstellungen. Ihren Entschluss zum Aufhören hat die 71-Jährige ihrer Vermieterin, der im benachbarten Herrenhaus wohnenden Margaretha von Witzleben, bereits mitgeteilt.
Vor 33 Jahren waren Hadrichs im Klosterbezirk noch weitgehend alleine auf weiter Flur. Damals habe die Ruine des Zisterzienser-Klosters noch keine sonderliche Aufmerksamkeit geweckt. Der Klostersaal sei baufällig gewesen und die Klosterschänke habe leer gestanden, blickt Anette Hadrich zurück. Nach der Renovierung der Mühle eine Galerie zu eröffnen, sei ein kühnes Unterfangen gewesen. Aber wir hatten hier Super-Jahre und haben viele nette Menschen kennen gelernt. Besonders gerne erinnert sie sich an ein Schreiben von Jimmy Carter, in dem sich der ehemalige US-Präsident dafür bedankt, dass ein Künstler aus seiner Heimat, dem Bundesstaat Georgia, in Hude ausstellen durfte.
Reisebilder von Jonny Lüpkes
