HUDE - Unter dem Titel „Refresh“ erinnert die Huder Galerie am Stall an den Maler und Grafiker Diether Ritzert (1927–1987), dessen frühe Grafik ihn als einen durch und durch am Menschenbild interessierten Künstler ausweist.

Der Kontakt mit Georg Meistermann, einem der wichtigsten Anreger der abstrakten Kunst im Nachkriegsdeutschland, führt Diether Ritzert dann zu einer stärkeren Abstraktion. In der Folgezeit hat er in seiner Malerei immer wieder diese offene Grenze zwischen Porträts, dinglichem Motiv und Formen ohne gegenständlicher Bindung umspielt.

Mit Koffer, Kästen und Kuben schuf der Maler ein Formenkompendium, das stets Raum für freie Farbigkeit und schattenhafte Farbübergänge ließ. Die Nuancierung von Farben und der dabei entwickelte Hell-Dunkel-Kontrast beherrschten seine Bilder, mit denen er zu Lebzeiten erfolgreich war, wie nicht zuletzt auch das renommierte römische Villa-Massimo-Stipendium belegt.

Die Werkauswahl in der Galerie am Stall jedenfalls umfasst alle Schaffensphasen von Diether Ritzert. Die Ausstellung „Refresh“ kann noch bis zum 29. März besichtigt werden.

Vor 90 Jahren hat Piet Mondrian das Landschaftsbild auf strenge Konstruktionen aus Linien und Rechtecken reduziert. Sein niederländischer Landsmann Cees Andriessen nimmt den Faden der Vereinfachung jetzt wieder auf, aber seine Bildformen sind leichter und spielerischer: Sie wirken wie Spritzer, Spuren, Schriftzeichen, die sparsam auf große Flächen gesetzt werden.

Spontan eingebracht, verraten sie ein sicheres Gefühl für Balance und für Proportionen. Der Künstler dehnt die Spannung zwischen Raum und Zeichen, Leere und Farbe auf dem Blatt bis aufs Äußerste.

Die Wanderausstellung der Werke von Cees Andriessen, die zuvor in mehreren Museen in Deutschland und in den Niederlanden Station machte, ist jetzt für die Kunsthalle Wilhelmshaven entsprechend den Gegebenheiten des Hauses am Jadebusen neu zusammengestellt worden.

Sie zeigt drei Gruppen: klein- und großformatige Holzschnitte, Linolschnitte und Zeichnungen, die der Künstler auch „Partituren“ nennt.

Während Holzschnitte und Zeichnungen zumeist auf einer weißen, zuweilen übermalten grauweißen Fläche arbeiten, wird für den Linolschnitt eine monochrom farbige Fläche gewählt, die den kargen freien Formen einen viel tieferen Untergrund verschaffen.

Cees Andriessen, der in den beiden vergangenen Jahrzehnten an zahlreichen internationalen Veranstaltungen beteiligt war, vertritt mit seiner Arbeit ein heute sehr seltenes Prinzip, das aber immer noch Zukunft hat: Die Verneinung der Fülle und die Würde des Einzelnen.

Die sehenswerte Ausstellung „Cees Andriessen“ ist in der Kunsthalle Wilhelmshaven noch bis zum 3. Mai zu besichtigen. Zu der Wanderausstellung ist auch ein bemerkenswerter Katalog erschienen.

Statt eines Rückblicks feiern Atelier und Werkstatt Berger in Delmenhorst mit Werken der Malerin Gabriele Schnars (Berne) und der Keramikerin Heidrun Kohnert (Bassum) ihre 50. Ausstellung. Die erfolgreiche Arbeit im regionalen Raum wird durch den guten Besuch und natürlich durch das Interesse unterstrichen, das Künstlerinnen und Künstler an Ausstellungen in der Galerie haben.

Gabriele Schnars zeigt in ihren Bildern ein Farbenspiel aus Licht und Wasser. Die Sonne wird zentral dem Betrachter gegenübergestellt; ihre Strahlen überfluten die Wasseroberfläche, und erst an den Ufern entwickeln sich dann weitere landschaftliche Züge, wenn nicht im Vordergrund dichte Baumzweige die Strahlen abfangen.

Unzweifelhaft sind diese Bilder zeitlos in einem romantischen Sinn, auch wenn sie mit dem Sonnenstand eine Zeit vorgeben. Der Malerin geht es vordringlich um eine Differenzierung der Farben unter dem Einfluss des Lichtes; die Palette wird vom weißlichen Gelb bis zu tiefen Dunkelheiten ausgereizt.

Heidrun Kohnert zeigt dagegen Raku-Objekte und Ziegelgefäße aus den vergangenen beiden Jahren. Wiederholt überschreitet sie dabei die Grenze zwischen der Gebrauchsform „Gefäß“ und einem plastischen Bildhauer-Objekt wie die „Schiffe“, deren dunkle Farbigkeit sich aus den Besonderheiten des Raku-Prozesses ergibt. Bei jeder Keramik zeigt Heidrun Kohnert sehr viel Sicherheit im Formaufbau und Fantasie in der Gestaltgebung.

Die bemerkenswerte Doppelausstellung „Gabriele Schnars, Heidrun Kohnert“ ist in dem Atelier und der Werkstatt Berger in Delmenhorst (Stedinger Landstraße 5) noch bis zum 27. März zu besichtigen.