HUDE - Die zwölf Besucher der Lesung „Literatur in der Klosterremise“ wurden am Mittwochabend in ferne Länder und Zeiten mitgenommen. Mit Autorin Dorothea Radtke aus Hannover begaben sie sich auf die Spurensuche ihres Vaters in die Vergangenheit. Ihr autobiographischer Roman „Wer war Paul Alexander? 1891-1945“ ist auch ein Stück Zeitzeugengeschichte.

Für Erheiterung sorgte Radtke mit der Geschichte einer Ermordung. Eine Leiche ohne Kopf löst wildeste Spekulationen aus, als die Einwohner eines Dorfes meinen, in dem rekonstruierten Gesicht Frau P., eine Anwohnerin, wiederzuerkennen. Als die Totgeglaubte mit ihrem Mann aus dem Urlaub zurück kommt, hält man diesen für ihren Mörder. „Es ist meine eigene Geschichte“, erzählt Dorothea Radtke im anschließenden Gespräch mit dem Publikum. So gut hätte sie das gar nicht erfinden können, fügte sie hinzu.

Auch der Bremer Autor und Chemiker Wolfgang Melzer beanspruchte die Lachmuskeln der Zuhörer. „Die Persiflagen haben mir sehr gut gefallen“, lobte Armin Goppelt, der die Lesung in der Remise zum ersten Mal besuchte, begeistert. Wolfgang Melzer las Auszüge aus seinen Romanen „Der Erfinder“ und „Wenn Maulwürfe mit den Köpfen zusammenstoßen“. In beiden Romanen schickt er seine Protagonisten auf der Flucht vor dem Alltag und Problemen auf Reisen: nach Paris, in die Provence und nach Pamplona. Ihre Erlebnisse schildert er mit Sprachwitz und Ironie. „Man darf sich selbst nicht so ernst nehmen“, verrät er den Zuhörern das Geheimnis seiner Persiflagen. An dem sprachlichen Ausdruck seiner Texte feile er sehr lange, da er sich von der Alltagssprache abheben wolle. Besonderes Interesse weckte bei den Zuhörern die Frage, wie ein Chemiker Romanautor werde. Chemiker sei er auf Wunsch seines Vaters geworden, berichtete Wolfgang Melzer. Eigentlich habe er Germanistik und Journalismus studieren wollen.

Initiatorin Krimhild Stöver betonte, dass sich in seinen Werken der analytische Blick des Chemikers mit sprachlichem Können verbinde.

Als Dritte im Bunde las Mitinitiatorin Inge Ried eine Erzählung über das Abnehmen. „Das ist aus dem Leben gegriffen“, stimmten die weiblichen Teilnehmer ihrer lustigen Schilderung über den Kampf mit den Pfunden zu.