HUDE - Ohne Punkt und Komma rast der dunkelhaarige Mann dort vor dem Altar durch die Geschichte. Erzählt von der rasanten Hausfrau, die Heiligabend noch allerhand machen muss, bevor die Familie bei Würstchen und Kartoffelsalat unterm Baum sitzen kann und erst zur Ruhe kommt, als sie das Zimmer, das Haus, die Stadt verlässt. Und damit auch dem Mann dort vorne die Chance gibt, wieder Luft zu holen.
Etwas ganz besonderes war die musikalische Lesung, „Licht, mehr denn lichte Nacht...“ , die es am Freitagabend in der St. Elisabeth-Kirche gab: Während der in Hude aufgewachsene Schauspieler und Sprecher Mathias Kopetzki Gedichte und Erzählungen zur Weihnachtszeit mal klassisch, mal augenzwinkernd las, füllte die Musikerin Veronika Skuplik die Pausen oder den Hintergrund mit ihrem Geigenspiel.
Da gab es etwa Hans Christian Andersens Geschichte vom kleinen Tannenbaum zu hören, der es gar nicht abwarten kann, endlich ein großer zu werden, um in einer guten Stube aufgeputzt zu stehen. Oder Robert Gernhardts Geschichte von den drei Herren im Wirtshaus, die über den Ursprung des Weihnachtsfestes philosophieren und dabei die ganze Bibel durcheinander bringen. Da ist dann plötzlich Eva, die Mutter von Jesus, und flüchtet aus dem Paradies, weil Adam sich ausgezogen hat. Oder Georg Kreislers Gedicht vom Mann, der seinen Alltag gut arrangiert hat, aber von Weihnachten durcheinander gebracht wird und deshalb die Abschaffung fordert.
Grandios war die Lesung nicht nur wegen Kopetzkis Fähigkeit, jedem einzelnen Text die richtige Stimmung mitzugeben, sondern auch durch Skupliks Geigenspiel. Immer wieder holte sie die Zuhörer musikalisch ab und nahm die Spannung auf. Und so übernahm sie auch die Schnelligkeit von Kopetzkis Vortrag, als der erstmal Luft holte. Am Ende stand großer Applaus.
