HUDE - Als Werner Bräunig 1965 in der Zeitschrift „Neue Deutsche Literatur“ Auszüge aus seinem Roman „Rummelplatz“ vorstellte, brach ein Sturm der Entrüstung los. Die Kulturbürokraten der SED warfen ihm „Beleidigung der Werktätigen und der sowjetischen Partner“ vor. In seinem Roman hatte Bräunig so realistisch wie schonungslos das Leben der Bergleute im von der Sowjetunion befehligten Uranbergbau in der DDR geschildert. 45 Jahre später gilt Bräunigs Werk als „großer deutscher Nachkriegsroman“. Grund genug für den Huder Kulturverein „Impuls“, dem 1976 im Alter von 42 Jahren verstorbenen Bräunig und seinem Buch eine Lesung zu widmen, die am Sonnabend, 8. Mai, ab 20 Uhr im Studio Kunst und Landschaft (Am Klosterkiel 53) in Wüsting stattfindet. Für die Lesung hat „Impuls“ den Berliner Schauspieler Jörg Gudzuhn, dem breiten Fernsehpublikum vor allem durch seine Rolle als brummeliger Kommissar Joe Hoffer in der Serie „Der letzte Zeuge“ bekannt, gewonnen.

Der Eintritt kostet zwölf Euro, Impuls-Mitglieder zahlen zehn Euro. Karten gibt es im Bürger-Servicebüro des Huder Rathauses oder an der Abendkasse. Einführende Worte spricht Andrea Drescher. Das Manuskript für „Rummelplatz“ kam erst nach der Wiedervereinigung zurück in den Besitz der Söhne Bräunigs. Sie überließen es 2005 dem Aufbau-Verlag; dort wurde der Roman 2007 von Angela Drescher herausgegeben.

Der Roman spiegelt ungeschönt und dabei literarisch gelungen deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte wider – von 1949 bis 1953. In seinem Hauptschauplatz, einem riesigen Abbaubetrieb für Uranerz, den Werner Bräunig als Ex-Bergmann gut kannte, fand er alle Probleme gebündelt: Hier trafen Kriegsheimkehrer, Entwurzelte, Glücksritter, deutsche Bergleute und sowjetische Schachtleitung aufeinander.

Auch Jörg Gudzuhn litt unter der Teilung der beiden deutschen Staaten. 1945 in Seilersdorf geboren, wuchs er in Ost-Berlin auf und besuchte zunächst ein West-Berliner Gymnasium, konnte jedoch sein Abitur dort nicht beenden, da 1961 die Mauer gebaut wurde. Nach der Schule war er als Arbeiter in verschiedenen Betrieben tätig, holte sein Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg nach und studierte von 1966 bis 1970 an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin. Er war danach in verschiedenen Rollen im DDR-Fernsehen zu sehen. Außerdem spielte er auf Theaterbühnen, so am Maxim-Gorki-Theater und am Deutschen Theater Berlin, wo er seit 1987 festes Ensemble-Mitglied ist. Nach der Wende setzte Jörg Gudzuhn seine Karriere im Fernsehen fort.