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Literatur Bestürzende Begegnung mit Vergangenheit

Hude - Der Autor und Verleger Erwin Plachetka war Gast der Februar-Lesung des Freien Deutschen Autorenverbandes (FDA) Nord e.V. in der Huder Klosterremise. Das FDA-Mitglied stellte seinen neuen Roman „Rattenerbe“ vor.

Dem Roman liegt eine ungewöhnliche Idee zugrunde: Ein ganz normaler Mann, Rentner, eher zurückgezogen und beschaulich lebend, bekommt die Einladung zu einer Testamentseröffnung. Dort wird sein ganzes bisheriges Leben auf den Kopf gestellt. Er erfährt, dass sein totgeglaubter Vater als ehemaliger SS-Offizier nach dem Krieg über die sogenannte „Rattenlinie“ nach Argentinien geflüchtet war und dort ein riesiges Vermögen in der Rinderzucht erwirtschaftet hatte.

Einen Teil davon soll er nun erben, wenn er die daran geknüpften Bedingungen erfüllt. Andernfalls geht das Geld an eine ultra-rechte Organisation.

Das will der Protagonist Hans Lehmann aber auf keinen Fall. Er will auch mit der Organisation nichts zu tun haben. Doch von Stunde an wird er verfolgt und überwacht. Und langsam dämmert ihm, dass es um sein Leben geht. Die „Bruderschaft“ kennt in der Verfolgung ihrer Ziele keine Gnade.

Ein Antiheld

Das Thema ist bestürzend aktuell. Das wird noch verstärkt dadurch, dass große Teile der Handlung in unserer unmittelbaren Umgebung angesiedelt sind. Hans Lehmann ist ein Antiheld und Jedermann, ein Mensch ohne Ehrgeiz und eigentlich auch ohne Mut. In der Rückschau versucht er, mehr über die Biografie vor allem seiner Mutter zu erfahren.

Wie wurde sie zur Mitläuferin in den dunklen Jahren? Wie zur Geliebten seines Erzeugers? Hätte er den Mut gehabt, sich gegen das braune Regime zu wehren? Sicher nicht. Er wird auch durch die folgenden turbulenten Ereignisse nicht zu „007“.

Der Roman ist vom ersten Satz an spannend, dabei versucht der Autor mittels seines Protagonisten sowohl die Menschen jener Zeit zu verstehen als auch die Gefahr des Rechtsradikalismus heute aufzuzeigen. Obwohl fiktiv, bleibt der Roman dadurch sehr wirklichkeitsnah.

Bleibt im Gedächtnis

Hinzu kommt eine angenehme, den einzelnen Situationen angemessene Sprache mit eingestreuten Schilderungen, die zum Lesevergnügen beitragen. Die Zuhörer in der Klosterremise zeigten sich beeindruckt, auch durch den gekonnten Vortrag Plachetkas. Der Abend wird ihnen sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

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