Hude - Es war ein hoch interessanter Leseabend, der in der Huder Klosterremise stattfand, da waren sich alle Zuhörer einig. Im Zuge der Reihe „Literatur in der Remise“, veranstaltet allmonatlich vom freien Deutschen Autorenverband (FDA) Nord e.V., las die Oldenburger Historikerin Christine Metzen-Kabbe aus den beiden ersten Bänden ihrer Trilogie „Die Totenbeschwörerin des Königs“.

Der Roman spielt in der Antike zur Zeit König Sauls, also circa 1100 v. Chr., und ihre Protagonisten sind Saul selbst (der hier aber unter anderem Namen auftritt) sowie seine Seherin, die durch einen Übersetzungsfehler als „Hexe von Endor“ bekannt ist. Vor allem ihr Lebensweg wird geschildert, alle Geschehnisse werden aus ihrer Perspektive dargestellt. Welche Fähigkeiten hat ein Mensch mit der Gabe des Sehens? Wie kann er in seiner Entwicklung gefördert, aber auch geschützt werden? Und womit muss dieser Mensch selbst fertig werden? All das ist eingebettet in den antiken Kontext; Kleidung, Nahrung, soziales Umfeld, Heilmethoden usw. sind akribisch recherchiert.

Besonders faszinierend war zu erfahren, dass die Autorin, die Hebräisch spricht, viele Lebensumstände der Totenbeschwörerin aus dieser Sprache ableiten konnte. Aus den Bezeichnungen, die für die Seherin verwendet wurden und die erheblich vielfältiger als im Deutschen sind, ließen sich ihre soziale Stellung in der damaligen Gesellschaft und viele weitere Gegebenheiten ableiten. Nicht zuletzt wurde damit auch die Schwierigkeit der Übersetzung zum Thema.

Dabei sei es nicht die Zeit, die sie reizt, sondern der Mensch, so die Autorin. Sie sei während einer Übersetzungsübung auf die Seherin gestoßen und sofort von ihr gefesselt gewesen. Ihr war schnell klar, dass sie deren Leben durch einen Roman „erforschen“ wollte.

Sieben Jahre hat Christine Metzen-Kabbe für ihre Trilogie gebraucht (der dritte Band erscheint nächstes Frühjahr), was keinen der Anwesenden weiter verwunderte. Alle sind gespannt auf den Schlussband, den die Autorin kommendes Jahr wieder in der Remise vorstellen wird.