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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Plattdeutsch einfach schnacken

04.07.2019

Hude /Oldenburg Es ist bestes Sommerwetter, um sich auf die Terrasse zu setzen. Aber Annegret Peters fehlt der Stoff, um ihre Dächer zu setzen. „Ich bin relativ unzufrieden“, gesteht die 65-Jährige. Sie steht Plattdeutsch-Neulingen bei der Oldenburger August-Hinrichs-Bühne als Sprachpatin zur Seite, hält als Regieassistentin bei vielen Inszenierungen die Fäden zusammen oder fungiert als Souffleuse, verwaltet die Finanzen der Bühne und steht hin und wieder auch selbst auf der Bühne. Kurzum: Nichtstun ist ihre Sache nicht.

„Hein Godenwind“ von Hans Balzer nach einem Roman von Gorch Fock heißt das Stück, mit dem die August-Hinrichs-Bühne in die neue Spielzeit startet. Annegret Peters ist in der Inszenierung als Regieassistentin im Einsatz und wartet derzeit auf die niederdeutsche Bühnenfassung von Hartmut Cyriacks und Peter Nissen, um mit den Vorbereitungen für die Proben beginnen zu können.

Dabei kommen dann ihre Dächer ins Spiel. Über jedes A setzt sie aus zwei Bleistiftstrichen ein Dach, die Spieler, die Plattdeutsch nicht mit der Muttermilch aufgesogen haben, wissen dann, dass das A wie O gesprochen wird. „Das Spielerische steht bei den Proben im Vordergrund“, betont Peters.

Man könne nicht bei jeder Kleinigkeit eingreifen, das halte den Probenablauf zu sehr auf. Wenn es gar nicht anders geht, gibt’s Einzelunterricht bei Annegret Peters zu Haus in Hude auf der Terrasse. So hat sie zum Beispiel Prosper Attoko von der Elfenbeinküste unter ihre Fittiche genommen, der in der Inszenierung „Moby Dick“ in der Spielzeit 2015/16 den 1. Offizier Starbuck spielte. „Ein ganz wunderbarer Mensch“, erinnert sie sich gern an diesen Nachhilfeunterricht und an ein „unglaubliches Ensemble“. „Moby Dick“ sei eine ihrer liebsten Inszenierungen, verrät sie, und „Paulette“ aus der vergangenen Spielzeit hält sie für die lebendigste. Gern erinnert sie sich an das Kinderstück „Emil und die Detektive“ und das trotz mancher Nachtschicht, die sie als Regieassistentin einlegen musste. „Ein tolles Stück mit einem tollen Ensemble.“ Zu ihren Favoriten zählt sie auch „Sluderkram in’t Treppenhus“ Annegret Peters übertrug die hochdeutsche Bühnenfassung ins Niederdeutsche.

Selbst auf der Bühne gestanden hat sie in Oldenburg unter anderem in „Gesche Gottfried“, „Pension Schöller“, „Arche Nowak“ und „As in’n Heeven“. Sie sei erst spät angefangen zu spielen und lieber als Regieassistentin oder Souffleuse im Einsatz, gesteht sie.

Annegret Peters ist in Wüsting (Gemeinde Hude) aufgewachsen – zu einer Zeit, als es nicht angesagt war, dass Eltern mit ihren Kindern Plattdeutsch reden. „Mein Opa aber dafür viel“, und auf dem Bauernhof in der Nachbarschaft wurde nur Plattdeutsch geschnackt. Nach dem Schulabschluss folgte eine Banklehre in Hude. Als Auszubildende fasste sie sich irgendwann ein Herz und sprach mit Kunden auch Platt. „Man muss es einfach tun, und je mehr man es tut, desto besser“, ist ihre Erfahrung und auch ihr Rat an Plattdeutsch-Anfänger.

Über die niederdeutsche Theatergruppe Bookholzberg kam Annegret Peters vor gut 20 Jahren zur August-Hinrichs-Bühne. Nach drei Inszenierungen als Gast wurde sie als Bühnenmitglied aufgenommen.

Dass sie seit etwa zehn Jahren auch als Sprachpatin gefragt ist, habe sich so ergeben. Die Zahl derer, die kein Plattdeutsch sprechen können, werde immer größer. „Wenn wir die Sprache erhalten wollen, müssen wir was tun“, sagt Peters. Und sie tut was.

Wobei es ein Sprachpate nicht leicht hat. „Plattdeutsch hat viele Dialekte, die Sprache ist schon von Dorf zu Dorf anders“, beschreibt sie das Dilemma. Weil es also das eine, einzig wahre Plattdeutsch nicht gibt, lässt Annegret Peters die Akteure bei den Proben erst einmal so sprechen, wie sie es von zu Hause aus kennen.

Dann geht es an den Feinschliff, und das ist oftmals mühselig – für alle. „Es gibt einen kleinen Unterschied zwischen aufnahmefähig und aufnahmebereit“, sagt Peters mit einem Augenzwinkern. Sie könne schon nach der zweiten Probenwoche sagen, wo auch in der Generalprobe noch der Fehler gemacht werde. „Am Ende muss es für die breite Masse verständlich sein“, wünscht sie sich von den Alteingesessenen, den Sprachpuristen, mehr Toleranz.

Als Sprachpatin wie auch als Regieassistentin brauche man ein dickes Fell, weiß Peters. Und einen langen Atem, möchte man hinzusetzen. Die Proben für jede Inszenierung dauern acht bis neun Wochen, geprobt wird montags bis freitags von 19 bis 22 Uhr. Da kann eine Pause auf der Terrasse schon gelegen kommen. Nur zu lang darf sie bei Annegret Peters nicht sein.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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