HUDE - „Geschichtszahlen sind die Pflicht, danach kommt die Kür“, verspricht Bettina Cordes ihren eifrigen Zuhörern, die der Gästeführerin am Freitagabend auf Schritt und Tritt durch den Huder Klosterbezirk folgen. Ein paar Zahlen gehören halt dazu, beginnt man damit, sich mit der Geschichte des Huder Klosterbezirkes zu beschäftigen, aber Cordes kündigt an, ihre Zuhörer nur mit den „allernötigsten Geschichtsdaten“ zu traktieren.
Zweimal im Jahr veranstaltet die Touristik-Palette nach vorheriger Absprache mit der Familie von Witzleben die immer wieder beliebte abendliche Führung durch den Klosterbezirk. Der Rundgang beginnt an der Schautafel am Eingangstor, anhand derer Cordes den ehemaligen Lageplan der Gebäude erläutert. Die Sonne geht allmählich unter, die Jakobsschafe blöken leise – eine zauberhafte Kulisse für den nun folgenden Abendspaziergang, der die Besucher an der ehemaligen Klosterkapelle, am Friedhof und am Herrenhaus der Familie von Witzleben vorbeiführt. Halt gemacht wird am ehrwürdigen Klostersaal, an der Wassermühle sowieso, und natürlich am „alten Brauhaus“, heutzutage besser bekannt als Klosterschänke Hude.
Auch in der hintersten Reihe werden die Ohren gespitzt; keiner möchte sich etwas entgehen lassen von den amüsanten, kurzweiligen, mit Leichtigkeit vorgetragenen Geschichtchen und Anekdötchen um das Kloster und seine Mönche, die – so wird es überliefert – auf ihre Art mit Geheimgängen die Vorschriften und Sitten eigenmächtig lockerten.
Gästeführerin Cordes, die „selber auch erst als Erwachsene einmal eine Fackel in der Hand gehalten hat“, zaubert bei Einbruch der Dunkelheit ganz unspektakulär aus dem Kofferraum ihres Autos Fackeln für alle Teilnehmer – 27 an der Zahl – und dann schlendert man bei Feuerschein weiter durch das Gelände um die Ruinen und fühlt sich ein wenig versetzt in ehemalige Zeiten. Geschichten aus der Epoche der Romantik runden den Spaziergang ab. Den Abend beschließen die Teilnehmer beim Dämmerschoppen im ehemaligen „Brauhaus“, und alle sind sich einig, dass sich dieser kleine Ausflug ins Mittelalter 100-prozentig gelohnt hat.
