HUDE - HUDE/ING/KAB - Als kleiner Bub' saß Hubertus Lauenburger immer auf einer Holzkiste hinter der Bühne, ganz still und aufmerksam, und schaute Vater und Großvater auf die Finger, mit denen sie die Puppen zum Leben erweckten. Damals wurden noch Goethes „Faust“ und Schillers „Räuber“ aufgeführt, und gespielt wurde erst abends um 20 Uhr, weil viele Kinder tagsüber auf dem Feld halfen. „Jeden Griff und jeden Kniff habe ich bei ihnen abgeschaut”, erinnert sich der Puppenspieler. Inzwischen ist Hubertus Lauenburger 58, und sein Wissen und die Tricks hat er längst an seinen Sohn David weitergegeben: Der ist 25 und wird das „Lauenburger Puppentheater” irgendwann führen – dann in sechster Generation.
Die älteste Puppenbühne Norddeutschlands macht von Freitag bis Sonntag, 21. bis 23. April, in Hude Station: Am Freitag und Sonnabend finden zwei Vorstellungen statt, am Sonntag eine. Auf dem Huder Schützenplatz werden die Lauenburgers dann ihr Theaterzelt aufbauen, in dem bis zu 500 Zuschauer Platz finden. Der Eintritt kostet für Erwachsene 6, für Kinder 5 Euro (ermäßigt 5/4 Euro).
1829 ist Hubertus' Ur-Urgroßvater Julius Lauenburger erstmals mit den Puppen auf Wanderschaft gegangen, und noch der Vater war mit Pferd und Wagen unterwegs. Heute ziehen moderne Zugmaschinen die acht nostalgischen Wagen. „Man muss ja schnell reisen”, erklärt Lauenburger, der mit seinem Familienunternehmen – neben Sohn David sind die Töchter Jasmin und Yvonne sowie Ehefrau Manuela und Mutter Ilse dabei – in jeder Saison zwischen März und Oktober 60 bis 70 Orte in ganz Norddeutschland ansteuert. „In den größeren Städten bleiben wir auch länger”, sagt er, „in kleineren Orten sind meistens nur zwei, drei Vorstellungen möglich.”
So wie in Hude, wo am Freitag und Sonnabend „Kasperles neueste Abenteuer” mit dem Räuber Hotzenplotz aufgeführt werden und am Sonntag um 11 Uhr „Meister Eder und sein kleiner Kobold Pumuckl” – alles live und selbst gesprochen. Die meisten der mehr als 100 Puppen, mit denen die Lauenburgers hantieren, sind 80 Jahre und älter. Einige haben schon 200 Jahre auf dem hölzernen Buckel – die können nach der Vorstellung kostenlos im Puppenmuseum besichtigt werden. Einige Marionetten sind bis zu einem Meter groß und 15 Pfund schwer. „Damit hat schon mein Ur-Ur-Großvater gearbeitet”, erzählt Hubertus Lauenburger, und ein bisschen Stolz auf die lange Familiengeschichte klingt dabei durch.
