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Serie Die unstillbare Lust am Gedruckten

Stephan Onnen

HUDE - Wenn Reiner Backenköhler seine Lust am Gedruckten beschreibt, kommt einem unwillkürlich ein Romantitel in den Sinn: „Der Buchtrinker“ von Klaas Huizing. Das Werk handelt von einem obsessiven Leser und Sammler von Literatur. „Das ist schon irgendwie passend“, schmunzelt Backenköhler. Etwa 7500 Bücher hat der Huder Pastor zu Hause. Die Privatbibliothek wächst und wächst: „Ich kann an keinem Buchladen vorbeigehen“, gesteht der 50-Jährige, „ich muss hinein, stöbern und etwas zum Lesen kaufen.“

Roman über Zeitung

Reiner Backenköhler greift täglich zum Buch. Das ist für ihn existenzielles Grundbedürfnis: „Lesen ist wie Atmen“, sagt er. Die Zeit zwischen 22 und 24 Uhr ist der Romanlektüre vorbehalten. Zwischendurch in Pausen entspannt er sich ebenfalls mit Lesen. Schnell noch mal zwei Seiten vorm Konfirmandenunterricht – das ist keine Seltenheit bei Backenköhler. Er hat stets „mehrere Bücher in der Mache“, aber immer nur einen Roman. Zurzeit liegt „Die Unperfekten“ von Tom Rachman auf seinem Nachttisch. Der kanadische Autor erzählt in seinem Debüt „auf höchst originelle Weise“, findet Backenköhler, vom allmählichen Niedergang einer internationalen Tageszeitung mit Sitz in Rom. Dieses Szenario, geschildert aus der kapitelweise wechselnden Perspektive der Beteiligten und Betroffenen, sei „pfiffig geschrieben und sprachlich reizvoll gestaltet“, lobt Backenköhler nach den ersten 175 Seiten.

„Der Turm“ als Favorit

Bei der Frage nach seinem Lieblingsbuch muss der Pastor nicht lange überlegen: „Mein Favorit der letzten fünf Jahre ist ,Der Turm’ von Uwe Tellkamp. Ein großartiger Roman, der sehr an Thomas Manns Buddenbrooks erinnert“, meint Backenköhler. Die Verknüpfung einer in Dresden spielenden Familiengeschichte mit dem Niedergang der DDR sei eine erzählerische Glanzleistung. „Wer die literarische Herausforderung liebt, der ist mit diesem Buch sehr gut bedient“, empfiehlt der Literaturkenner.

Wer es spannend mag und gleichzeitig einen tiefen Einblick in den Alltag Chinas und in das Leben unter einer Diktatur gewinnen möchte, dem legt Krimi-Fan Backenköhler die Romane von Qin Xiaolong ans Herz. Die Hauptfigur, Inspektor Chen, ist Teil des Systems, hat indes als Schriftsteller auch Zugang zu einer regimekritischen Welt. In seiner Zerrissenheit erinnert Chen an seinen schwedischen Kollegen Wallander.

Das Lesen inszenieren

Die Begeisterung für Bücher ist Backenköhler in die Wiege gelegt worden. „In meiner Familie wird seit Generationen wie verrückt gelesen“, sagt der Pastor. Das Lesefieber hat sich auch auf seine 21, 19 und 14 Jahre alten Töchter übertragen. „Auch jetzt noch lesen wir uns gerne gegenseitig etwas vor“, erzählt Backenköhler. Anstelle eines Fernsehabends tragen seine Frau, die Töchter und er kapitelweise vor, beispielsweise aus Siegfried Lenz’ „Deutschstunde“. „Man kann das Lesen auch inszenieren“, weiß Backenköhler. Dann treibt den Genussmenschen die Frage um „Welches Buch passt zu welchem Wein?“

Die Macht der Buchstaben fasziniert ihn nicht zuletzt beruflich: „Lesen ist für mich Lebensart und Handwerk. Wer mit Sprache arbeitet, für den ist Lesen die beste Vorbereitung. In meinem Beruf habe ich das Glück, dass ich das Bedürfnis, etwas zu schreiben und damit Gehör zu finden, ausleben kann“, sagt der Pastor, der nicht nur Predigten, sondern auch Theaterstücke („Die Schnackmanns“) gekonnt zu Papier bringt. Um Ideen zu notieren, liegt immer ein Notizblock in der Nähe bereit.

Backenköhler ist ein leidenschaftlicher Werber fürs Lesen. „Wer liest, lebt mehrere Leben. Lesen verleiht der Vorstellungskraft Flügel!“

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