HUDE - Mehr als ein Jahr hatten sich die 14 Mädchen und Jungen mit dem Thema beschäftigt. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen.
Von Matthias Kosubek
HUDE - So manchem Zuschauer liefen am Donnerstagabend in der Huder Begegnungsstätte Kulturhof kalte Schauer den Rücken hinunter, als eine Gruppe Jugendlicher im Gleichschritt hinter einer Fahne mit Fantasiesymbol, das auch an ihren Oberarmen prangte, auf die Bühne marschierten und dort immer wieder die Parole „Macht durch Disziplin, Macht durch Gemeinschaft, Macht durch Handeln!“ skandierten, von Mal zu Mal lauter brüllend. In Anlehnung an das Buch „Die Welle“ von Morton Rhue zeigten die Mädchen und Jungen der Klasse 10 R b der Peter-Ustinov-Schule, wie schnell aus Individuen mit Ecken und Kanten eine Gruppe glatt geschliffener Gleichgeschalteter werden kann, die keine Außenseiter mehr duldet.Das Theaterstück war Teil der Präsentation, mit der die 14 Jungen und Mädchen nach mehr als einjähriger freiwilliger Beschäftigung mit dem Thema Nationalsozialismus ihr Geschichts-Projekt vor heimischem Publikum abschlossen. Mit etwa 80 Besuchern, unter ihnen auch Bürgermeister Axel Jahnz und weitere Repräsentanten der Gemeinde, fand der Abend ein unerwartet großes Interesse, über das sich auch Nico Rettcher freute, der als Lehrer das Projekt betreut hatte. Im Rahmen einer freiwilligen Geschichts-Arbeitsgemeinschaft hatten sich die Schüler nachmittags, an Wochenenden sowie in zwei Projektwochen mit den Jahren 1933 bis 1945 beschäftigt. Gleichzeitig behandelten auch Schüler in Hudes Partnerstädten Arnage (Frankreich), Fiume Veneto (Italien) und Nowe Miasto Lubawskie (Polen) das Thema Nationalismus und Faschismus in ihren Ländern.
Im Juli dieses Jahres trafen sich dann 80 Jugendliche aus den vier Nationen in Nowe Miasto, um die Ergebnisse ihrer Projekte vorzustellen. Ein kleiner Videofilm, der am Donnerstag gezeigt wurde, gab einen lebendigen Eindruck von jener Woche der Begegnung (die NWZ berichtete).
Im Eingangsbereich des Kulturhofes wurde neben Porträts der Jugendlichen und beteiligten Erwachsenen ein damals in Polen von den Huder Jugendlichen angefertigtes symbolträchtiges Transparent ausgestellt, das bei einem Friedensmarsch mitgeführt wurde. Drinnen war für jedes der 13 Jahre des Nationalsozialismus eine Schautafel mit den wichtigsten Daten, Fotos und anderen Dokumenten aufgestellt.
Ein besonderes Dankeschön richtete Rettcher an Jörg Kreusel, der als ehrenamtlicher Jugendpfleger das Projekt begleitet, hunderte von Stunden investiert und sogar Urlaub geopfert hatte. Ein Dank ging auch an Elternsprecherin Heike Raschen und an Horst Siemers, der das Projekt finanziell unterstützt hatte.
Im Anschluss diskutierten Schüler und Besucher über das Projekt und stärkten sich bei Glühwein und anderen Getränken.
