HUDE - Manfred Mönning macht dem Besucher des Gemeindearchivs erst einmal keinen Mut – „Ach, da liegen doch nur lose Blattsammlungen“ –, nur, um dann doch ins Schwärmen zu geraten. Uralte Bücher mit ausgefransten Einbänden zieht er im Keller des Rathauses aus den Schränken. Ganz vorsichtig und mit beinahe liebvollem Blick blättert er durch die vergilbten Seiten.
An diesem Sonnabend ist der Welttag des Buches. Und wer statt Trivialliteratur auf der Suche nach Informationen über Hude und das Oldenburger Land ist, sollte sich von Mönnings erstem Kommentar nicht abschrecken lassen. Denn im Gemeindearchiv lassen sich neben Kartons voller Ratsprotokolle auch wahre historische Schätze finden. Manfred Mönning zieht sie zielsicher aus den Regalen.
Er kennt sich eben aus: 20 Jahre war er in der Zentrale und der Druckerei der Gemeinde tätig. Außerdem hat er dazukommende Bücher ins Archiv einsortiert.
Mönning greift in einen Schrank: „Statistische Beschreibung der Gemeinde des Herzogtums Oldenburg“ lautet der Titel eines der ältesten Bücher im Rathauskeller – es stammt immerhin von 1897. Noch älter sind nur noch die gebundenen Katastermutterrollen von 1883, in denen jedes Grundstück der Gemeinde Hude verzeichnet ist.
Neben Werken wie der „Sammlung der im Landkreis Oldenburg geltenden Gesetze, Verordnungen und Bekanntmachungen aus den Jahren 1813 bis einschließlich 1926“ von 1927 stehen aber auch neuere Bände. „Das ist die Sammlung von Walter Janßen-Holldiek“, erklärt Mönning und deutet auf mehrere Vitrinen. In den frühen Nachkriegsjahren Lehrer in Lintel, hat sich Janßen-Holldiek später voll und ganz der Heimatkunde verschrieben. Seine Bücher über Lintel, Hurrel und Kirchkimmen sind teilweise schon längst vergriffen. Die Erkenntnisse für seine Bücher hat er zum Teil aus eigenen Ausgrabungen, aber auch aus Büchern anderer Heimatkundler sowie Aufzeichnungen des Oldenburger Staatsarchivs gewonnen. Seine komplette Sammlung zur Heimatkunde hat er 1999 der Gemeinde Hude geschenkt.
Versonnen blickt Mönning auf die uralten Bücher, Sammlungen und Katasterrollen, die auf dem Tisch liegen. „Na ja, diese Bücher hat man, aber lesen will sie keiner.“
Auf der Suche nach Lesestoff zieht es die Huder dann doch in Gerburg Schallers Buchhandlung „Lesen & Mehr“ – und das nicht zu knapp. „Die Leute in Hude lesen sehr viel“, sagt sie. „Zu unseren Stammkunden gehören viele Jugendliche, auch viele Jungs.“ Daran hätten die Huder Schulen einen großen Anteil: „Vor allem die Grundschulen leisten eine fantastische Lesearbeit.“ Dauerrenner sind bei den jungen Lesern die „Percy Jackson“-Bände oder „Gregs Tagebuch“.
Eines haben die Huder gemeinsam: Sie halten sich nicht an die Bestseller-Listen. „Sommer ohne Männer“ von Siri Hustvedt, „Der letzte Patriarch“ von Najat El Hachmi oder „Das fremde Kind“ von Olle Lönnaeus sind zurzeit die Gassenhauer in Hude.
Dabei greifen die Huder nicht mehr nur zum konventionellen Buch. „Immer mehr Leser nutzen unser Download-Center und laden sich die Bücher als E-Book herunter“, sagt Schaller. „Aber das Buch selbst wird trotzdem nicht aussterben. Die Leute wollen das mit ins Bett nehmen, ins Regal stellen und später noch mal lesen.“ Zudem trage die deutschlandweite Buchpreisbindung zum Erfolg des Buches bei: „Egal, wo man wohnt, jeder bekommt es zum selben Preis. So soll sich jeder Bücher leisten können.“
