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Geschichte Damit es nicht nur Namen auf Stein sind

Nina Janssen

Hurrel - Am Volkstrauertag 2014 marschiert Egon Wachtendorf mit anderen Bürgern aus seinem Dorf zum Hurreler Ehrenmal. Viele Namen sind auf den vier Gedenksteinen zu sehen, darunter der Name seines Großvaters. An diesem Tag kam Wachtendorf ein Gedanke: „Man hat gar kein Bild von diesen Menschen, hat keine Vorstellung davon, wer sie waren.“ Also fing der 54-Jährige an zu recherchieren.

Das ist nun vier Jahre her. Seitdem hat sich einiges getan. Von insgesamt 41 Namen gefallener Hurreler in den beiden Weltkriegen hat er die Biografien von 27 Männern fertiggeschrieben. Das heißt 14 fehlen noch.

Ein Ende könnte bald in Sicht sein, allerdings hat Wachtendorf zu acht Namen noch überhaupt keinen Ansatz. „Familie Neuhaus zum Beispiel. Auch Wiese sagt mir nichts. Oder Drieling. Der Name steht drei Mal auf dem Denkmal.“

Zeitzeugen gesucht

Wer weiß etwas über diese Männer?

Bischoff, H. Deharde, Bernhard Drieling, Gustav Drieling, G. Drieling, Heino Kuhlmann, Hermann Neuhaus, D. Wiese, Heinrich

Zu diesen Namen fehlen Egon Wachtendorf noch Informationen, um seine Biografien der 41 Kriegsopfer in Hurrel vervollständigen zu können. Wachtendorfs Frage: Wer kann etwas zu den Namen sagen oder hat sie schon einmal gehört?

Über Hinweise freut sich Egon Wachtendorf, erreichbar unter t  0440860785 oder per E-Mail:

Zum Totensonntag möchte er die Bürger aufrufen: Wer weiß noch etwas über diese acht Familien? (siehe Infobox) Egon Wachtendorf sucht Zeitzeugen, die ihm etwas über die Gefallenen erzählen können. Er wünscht sich, über alle 41 Männer eine Biografie schreiben zu können, um ihnen ein Gesicht zu geben.

Darüber hinaus hat es sich der Hurreler Bezirksvorsteher, der auch im Dorfverein aktiv ist, zur Aufgabe gemacht, auch von allen anderen, die je in Hurrel gelebt haben, Biografien zu schreiben. In den vergangenen dreieinhalb Jahren hat er bereits 282 Biografien verfasst und sie auf einer Homepage im Internet veröffentlicht. „Man weiß, wer hier in Hurrel wohnt, weiß vielleicht auch noch etwas von den Bewohnern von vor 40 Jahren. Aber davor?“, erklärt Wachtendorf seine Motivation. Jede Woche entsteht zu Hause an seinem Arbeitsplatz eine Biografie.

Zunächst begann er, die Geschichte der Höfe in Hurrel zurückzuverfolgen, angefangen bei der eigenen Familie und Nachbarn. Schließlich führte ihn der Weg durchs ganze Dorf. Zeitzeugen und alte Fotos sind für sein Vorhaben besonders wertvoll. Zur Hilfe greift er außerdem häufig zu dem Buch „Hurrel, ein Dorf am Geestrand“ von Walter Janssen-Holldiek, aber auch zu Kirchenbüchern. Geburts- und Sterbeeinträge sowie Trauungen können wichtige Hinweise liefern.

Wie lange er das machen will? „Mein Ziel ist es, mit möglichst vielen Zeitzeugen zu sprechen, solange es geht“, sagt er. Ein echtes Lebensprojekt also, denn er kommt bisher auf 1100 Menschen, die je in Hurrel gelebt haben – Die Liste ist noch lange nicht vollständig.

Geschichte fasziniert

Für Geschichte habe er sich schon immer sehr interessiert, erzählt der Redakteur, der für die Fachzeitschrift „Das Investment“ in Hamburg schreibt. Als er 1986, zur Silberhochzeit seiner Eltern, einen Stammbaum vom Hof seiner Eltern erstellen ließ, war er fasziniert von dieser Herkunftsgeschichte. „Die geht zurück bis ins Jahr 1681“, berichtet Wachtendorf davon, wie einer seiner Ur-Großväter den Hof übernommen hat.

Ob er je die Geschichte aller Hurreler aufbereiten kann, bleibt offen. „Die ersten 500 werden noch leicht sein, danach wird es wahrscheinlich schwieriger“, vermutet der 54-Jährige. Doch er verfolgt sein Ziel weiter. Deshalb freut er sich über jeden, der etwas zur Geschichte der Hurreler erzählen kann und möchte und sucht nach Zeitzeugen sowie Bildmaterial. Besonders am Herzen liegt ihm, die Biografien der 41 Kriegsopfer zu vervollständigen.

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