Westerstede/Wiefelstede - „Ich erkläre feierlich, dass ich das Grundgesetz und die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland achten und alles unterlassen werde, was ihr schaden könnte“, liest Auschra Müller am frühen Mittwochnachmittag in Raum 220 des Kreishauses an der Ammerlandallee mit fester Stimme vor. Schick hat sie sich gemacht; sie trägt ein weißes Kleid mit schwarzen Applikationen und einen schwarzen Blazer. Das blonde Haar ist locker aufgesteckt, das Gesicht dezent geschminkt.
Es ist ein großer Augenblick für die 33-Jährige, als sie ihre Einbürgerungsurkunde in der Hand hält. Elke Lauterbach, Sachbearbeiterin im Ordnungsamt, hat sie ihr soeben gegeben – um sie dann auch gleich wieder „einzukassieren“. Auschra Müller, die gebürtige Litauerin, wird später am Nachmittag das Dokument ganz offiziell überreicht bekommen. Landrat Jörg Bensberg übergibt es während eines Festaktes.
Insgesamt begrüßt er 22 neue Staatsbürger – darunter fünf Kinder – aus neun Nationen. Sie kommen aus Polen, Litauen, Lettland, der Türkei, dem Irak, dem Libanon, der Ukraine, aus Kambodscha und Georgien.
Schon jetzt – in Raum 220 – ist die Freude groß. „Die Urkunde wird gerahmt, die hänge ich auf“, sagt Auschra Müller, und ihre Augen funkeln. Ihre beiden kleinen Söhne Magnus (4) und Lennox (8) spielen derweil friedlich im Nebenzimmer.
Im Alter von 18 Jahren kam die junge Frau mit einem Touristenvisum zum ersten Mal nach Deutschland. Es gefiel ihr so gut, dass sie zurückkehrte. Vor 13 Jahren lernte sie auf einer Party ihren heutigen Mann kennen. Seit 2002 sind die beiden verheiratet. Da Litauen zu diesem Zeitpunkt noch nicht Mitglied der Europäischen Union war, erhielt Auschra Müller zunächst eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. Im November vergangenen Jahres stellte sie den Einbürgerungsantrag. Dann ging alles sehr schnell. Sie absolvierte Wissens- sowie Sprachtests und erfüllte auch alle weiteren Kriterien. Seit Mittwoch ist sie Deutsche.
„Im Ammerland bin ich zu Hause“, begründet die 33-Jährige, die in Wiefelstede wohnt, ihren Schritt. „Ich habe meine Liebe gefunden. Mein Mann, meine Kinder sind hier.“ Sie hoffe, mit der Einbürgerung „auch von anderen als Deutsche wahrgenommen“ zu werden. „Denn ich fühle mich als Deutsche.“ Sie habe inzwischen schon „typisch deutsche“ Eigenschaften angenommen. Pünktlichkeit sei ihr sehr wichtig. Bei der Gartenarbeit neige sie gar zu einer gewissen Pingeligkeit.
So ganz lassen kann und will sie von Litauen aber nicht. Ihre Wurzeln lägen schließlich dort, viele ihrer Angehörigen lebten noch in der alten Heimat.
Mit der Urkunde beginne aber ein „neuer Lebensabschnitt“, sagt die zweifache Mutter. Und ihre Wünsche für diesen Lebensabschnitt? „Gern hätte ich eine Teilzeitstelle im Hauswirtschaftsbereich“, sagt sie.
