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Staatspreis an Star-Pianisten Warum Igor Levit sich manchmal für sein Land schämt

Hannover - „Manchmal schäme ich mich für dieses Land.“ Welcher Preisträger mag das schon in seiner Dankesrede sagen? Star-Pianist Igor Levit (34) kann das. Und das authentisch und voller Empathie.

Bei einem Festakt in der Staatsoper Hannover erhielten der Musik-Professor sowie die Bus-Unternehmerin Edith Bischof am Montagabend den Niedersächsischen Staatspreis für das Jahr 2020. Die Auszeichnung, die alle zwei Jahre vergeben wird, ist mit insgesamt 35 000 Euro datiert. Die Preisträger, von Ministerpräsident Stephan Weil als „große Persönlichkeiten“ und Vorbilder gewürdigt, teilen sich das Preisgeld. Levit hielt eine bewegende Dankesrede.

Die Lobreden auf die Preisträger hätten unterschiedlicher kaum ausfallen können: Elke Büdenbender, Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, würdigte die 71-jährige Unternehmerin aus Wesendorf (Kreis Gifhorn) als zupackend und rastlos. Mit ihrem Projekt „Vorfahrt für Frauen“ habe sie fast 600 langzeitarbeitslose Frauen zu Busfahrerinnen ausgebildet – und eine besondere Form der Wertschätzung gezeigt. 

Ei und Zackenbarsch

Jo Schück, Moderator der ZDF-Sendung „Aspekte“, verknüpfte seine Laudatio auf Levit mit originellen Vergleichen. Im Corona-Lockdown habe sich der Pianist mit seinen digitalen Hauskonzerten als Brückenbauer zu jenen erwiesen, die kaum einen Zugang zur Klassik hatten. Das sei quasi „die Inkarnation von Barrierefreiheit“, lobte Schück. Gleichzeitig sei Levit ein „Paradoxon“: Er tue sich schwer, ein Ei zu kochen, um dann später perfekt einen Zackenbarsch zuzubereiten. Levit sei ein politischer Künstler mit unbändiger Entdeckerfreude. Das gelte auch für seine Musik: Levit spiele nicht nur Beethoven, sondern wage sich auch an die Klaviertasten, um „Nothing Else Matters“ der Heavy-Metal-Band Metallica zu spielen.

Seine Dankesrede verband Levit mit einer Liebeserklärung an seine Heimatstadt Hannover. Hier habe er seine Identität finden dürfen. Er dankte seinen Eltern, die im Publikum saßen, die mutig ihre Heimat verlassen haben, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu bieten. Man nenne das wohl „eine erfolgreiche Migrationsgeschichte“, fuhr der Pianist fort. Doch manche Menschen, die heute nach Deutschland kommen, würden in ihrer Not vom Staat oft allein gelassen. Daher schäme er sich manchmal für das Land, in dem er sich so Zuhause fühle. Er nehme den Preis „von Herzen gern an“. Das Preisgeld will Levit an zwei Hilfsprojekte weiterreichen: das „Patenschaftswerk Afghanische Ortskräfte“ und das „Netzwerk für traumatisierte Geflüchtete“. Menschliche Schicksale dürften nicht egal sein, schloss er. „Bleiben wir empathisch!“

Schüler musizieren

Übrigens: Levit spielte nicht selbst bei der Preisverleihung, sondern hatte das Musikprogramm an seine Schüler Dongping Wang, Mert Yalniz und Nasti Sokolova der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) delegiert. Zu hören waren unter anderem Stücke von Nikolai Kapustin und Marc-André Hamelin. Die rund 200 geladenen Ehrengäste dankten mit langem Applaus.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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