Ihausen - Von Reisen kann man vieles mitbringen: Fotos etwa und kleine Geschenke. Ein ganzer Chor ist selten dabei – funktioniert aber auch, wie die Gospel-Souls Ihausen im Juni beweisen.

Doch der Reihe nach: Alles begann mit einem Afrika-Urlaub. „Ein Familienmitglied von uns machte eine Rundreise durch Namibia“, berichtet Jasmin Harbers, die gemeinsam mit Björn Harbers den Ihauser Chor leitet. Während der Tour, organisiert von der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Harsewinkel, besuchte der Verwandte ein Konzert von „Thlokomela!“, einem Gospel-Chor aus dem namibischen Windhoek.

Die Begeisterung über die Darbietung war so groß, dass kurzerhand ein Video gedreht, und, kaum zurück in Ihausen, gezeigt wurde. „Wir haben es uns angesehen und fanden es toll“, sagt Jasmin Harbers.

Dann ging alles ganz schnell: Der Kontakt zur Kirchengemeinde, die in engen Verbindungen zu „Thlokomela!“ steht, wurde gesucht. Nach wenigen Gesprächen landete Westerstede auf der Reiseroute der nächsten Chor-Tour von „Thlokomela!“ – und am 4. Juni kommt die Sänger-Truppe für eine Stippvisite ins Ammerland für einen kulturellen, aber vor allem auch gesanglichen Austausch samt Konzert.

Die 15 Chormitglieder von „Thlokomela!“ kommen aus den Townships der namibischen Hauptstadt Windhoek sowie Rehoboth, das rund 90 Kilometer südlich von Windhoek liegt. „Thlokomela!“ heißt so viel wie „Pass auf!“ Und aufpassen muss man in den Wellblechhüttensiedlungen weit draußen vor der Stadt, heißt es aus der befreundeten Kirchengemeinde aus Harsewinkel. „Vor allem, dass man sich nicht aufgibt oder in den Strudel von Perspektivlosigkeit und Kriminalität gerät.“

„Von außen betrachtet ist unser Leben alles andere als leicht. Die meisten von uns finden trotz Schulabschluss keine Arbeit und wohnen in Wellblechhütten ohne Strom und Wasser. Aber davon lassen wir uns nicht unterkriegen. In unserer afrikanischen Musik finden wir eine Kraft, die uns immer wieder aufstehen lässt. Selbst wenn wir kaum die Umstände verändern können, so arbeiten wir an unserer Lebenseinstellung“, so der Leiter des Chors, Dawid Sauber.

2008 begann „Thlokomela!“ als ein reines Chorprojekt, inzwischen ist dank deutscher Unterstützung ein Posaunenchor hinzugekommen. Dem Chorleiter ist es besonders wichtig, neben der musikalischen Bildung, den Jugendlichen eine Stütze zu sein, sie bei ihrer Lebensplanung zu begleiten, Perspektiven aufzuzeigen. So wurde aus dem reinen Chorprojekt mittlerweile ein Sozialprojekt. Mit ihrer Musik möchten die Sängerinnen und Sänger zeigen, dass Afrika mehr zu bieten halt als Entertainment oder Schlagzeilen. Mal setzen die Sänger auf leise, nachdenkliche Töne, mal auf lebensstrotzenden, mitreißenden Gesang.

Für den Besuch von „Thlokomela!“ haben die Ihauser ein Programm geplant. Los geht’s am Mittwoch, 5. Juni, 19 Uhr, mit einem Chor-Workshop in St. Petri, an dem alle Interessierten teilnehmen können. Anmeldungen sind ab sofort unter 0 44 88/ 52 54 82 sowie per Mail an post@gospel-souls-ihausen.de möglich. Die Teilnahme kostet zehn Euro.

Das erarbeitete Repertoire wird dann am Donnerstag, 6. Juni, in einem gemeinsamen Konzert präsentiert. Dieses beginnt um 19.30 Uhr in der St.-Petri-Kirche. Der Eintritt ist frei, um Spenden für die Chorarbeit in Namibia wird gebeten. Die Gospel-Souls Ihausen hoffen auf viele Besucher. Aktuell besteht der Chor aus rund 45 Sängerinnen und Sängern aller Altersklassen aus verschiedenen Gemeinden des Ammerlandes und Ostfrieslands.

Anuschka Kramer
Anuschka Kramer Team Nord