Oldenburg - In einer schmucklosen Halle am Rohdenweg in Tweelbäke lagern wahre Schätze – wobei der Wert eher als ideell und nicht materiell einzuschätzen ist. Zu sehen sind alte Fensterrahmen, Mauersteine, Dachpfannen, Fachwerkhölzer, Ständerwerk, Türen, Fenster, Beschläge, Fliesen, Fensterbänke, Treppen und vieles mehr.

Herr des Lagers ist Jan Lange vom Monumentendienst, der beim Gang durch das große Lager die scheinbare Unordnung entschuldigt. „Wir müssen die historischen Baustoffe manchmal so ablegen, wie sie hereinkommen“, erklärt der Fachmann für historische Baustoffe das „geordnete Durchein­ander“. Denn oft sitzt ihm die Zeit im Nacken, wenn ein historisches Gebäude irgendwo in der Region abgerissen werden soll und der Monumentendienst erst im letzten Moment davon erfährt. „Dann zählen oft Stunden“, erinnert sich Lange beispielsweise an den bevorstehenden Abriss eines alten unbewohnten Gulfhauses in Jemgum im ostfriesischen Rheiderland. Die Eingangstür, Fensterbänke, Sandsteinstufen und das Ständerwerk rettete er damals mit seinen Kollegen vor dem Abrissbagger. „Da haben wir bis Mitternacht gearbeitet.“

Oftmals geht der Rückbau eines alten Hauses aber auch ohne großen Zeitdruck über die Bühne. Eigentlich ist der 36-Jährige gelernter Bäcker und Altenpfleger. Doch die Pflege und der Erhalt historischer Baustoffe wurden ihm quasi in die Wiege gelegt. Lange ist in Zschopau im Erzgebirge in der ehemaligen DDR aufgewachsen. „Als Omas Fachwerkhaus abgebaut wurde – Baustoffe waren knapp damals – habe ich tatkräftig mit angepackt“, erinnert er sich an seine Kindheit zurück. Die Erfahrungen von damals kommen ihm heute zugute. Acht Jahre hat er zudem auf dem Bau gearbeitet, bevor er Kontakt zum Monumentdienst knüpfte, der gern auf sein Wissen zurückgreift.

Oftmals melden sich Hausbesitzer beim Monumentendienst und bieten die alten Baustoffe an, wenn die Häuser umgebaut oder abgerissen werden sollen. Im Gegenzug melden sich Haus- oder Wohnungsbesitzer, wenn sie auf der Suche nach historischem Baumaterial sind, das sie bei Sanierungsarbeiten in ihren Altbauten verwenden möchten. Beispielsweise, wenn Fensterbänke aus Marmor gegen Sandstein ausgetauscht werden sollen. So hat auch eine historische Schiebetür mit zwei Fenstern aus einer Abrissvilla in Wittmund mit einem Umweg über die Lagerhalle in Tweelbäke in einem Geschäft in der Innenstadt Jevers eine neue Heimat gefunden. „Ganz in der Nähe ihres alten Zuhauses“, freut sich Bente Juhl, Pressesprecherin des Monumentendienstes. Alt ist für den Dienst übrigens, was vor dem Zweiten Weltkrieg hergestellt und verbaut wurde, sagt Lange.

Ein denkbares Projekt ist beispielsweise, die historische Mauer an der Ostseite des 200 Jahre alten Küchengartens im Schlossgarten originalgetreu wieder aufzubauen. Sie ist mal abgerissen und mit modernen Klinkern wieder aufgebaut worden. Historische Steine für dieses Projekt sind vorhanden – sie lagern in der Halle in Tweelbäke.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg