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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Im Fundamt der Verlorenen

28.12.2015

Frankfurt Nachtschicht. Polizist Billy Graves leitet die Nachtschicht des New York Police Department. Er und seine Männer sind zwischen ein Uhr nachts und acht Uhr morgens für sämtliche Verbrechen in Manhattan zuständig. Es ist St. Patrick’s Day, der Feiertag der Iren, und obwohl die Straßen nachts noch sehr belebt sind, hofft Graves auf einen ruhigen Ausklang der Schicht. Bis im U-Bahnhof Penn Station eine blutüberströmte Leiche gefunden wird. Der Tote war einmal Verdächtiger in einem Mordfall.

Der Mordfall erinnert Graves an seine Kollegen von einst, als sie zu siebt in einem Revier der East Bronx Dienst taten. So entspinnt Autor Richard Price (66) die Handlungsfäden von „Die Unantastbaren“ („The Whites“), ein Polizistenroman, der hinter der gehetzten Kriminalhandlung über das Leben in Manhattan erzählt, wie Price es schon in „Clockers“ (1992) und „Cash“ (2008) tat.

Es geht um geklärte und ungeklärte Kriminalfälle, den dementen Vater von Graves, seine Frau Carmen, ihre Kinder und weitere Verwandte. Als „Unantastbare“ fühlen sich die New Yorker Polizisten, weil sie mitunter gesetzeswidrig wegsehen oder die Strafverfolgung in eigener Regie fortsetzen, wenn der Verdächtige nicht verurteilt wurde.

Zur Nachtschicht

Billy lädt sich zur Hochzeitsfeier eines Davongekommenen selbst ein und stört die Zeremonie, indem er den Bräutigam als Mörder bezeichnet, was ihm die Versetzung zur Nachtschicht einbringt.

„New York ist das Zentralfundamt der Welt, hier geben sich die Verlorenen selbst ab“, hat André Heller einmal über Manhattan gesagt, und ähnlich lässt uns Autor Price wie durch ein Kaleidoskop die Verlorenen anschauen.

Prices Schreibstil erinnert an Collagen, zusammengeschnippelt aus Papier. Schaut man sich das Kunstwerk gegen den Strich an, ergibt sich eine ganz neue Sicht. Perspektiven wechseln, Sichtweisen verschiedener Protagonisten wechseln sich in – manchmal – rascher Folge ab.

Richard Price hatte 1992 in „Clockers“ einen Polizeiroman über Drogendealer in New York veröffentlicht, der mit Harvey Keitel und John Turturro in den Hauptrollen von Spike Lee verfilmt wurde. Verfilmt wurde auch „Freedomland“ (2006, deutscher Titel „Das Gesicht der Wahrheit“, Regie Joe Roth). Bekannt ist hierzulande auch „Shaft – noch Fragen“ (2000, Regie John Singleton).

Obamas Urlaubsbuch

In seinem Roman „Cash“ erzählt Price, wie ein Zeuge in einem Mordfall in einen Strudel von Ermittlungen hineingezogen wird. In seiner lakonischen Erzählweise lässt er korrupte Polizisten, verkrachte Barkeeper und desillusionierte Bewohner der East Side sprechen. Eric Cash, der Namensgeber für den Roman, arbeitet als Barkeeper, ihm ist die Trinkgeldkasse der Bar anvertraut, was er großzügig für sich auslegt. Wie in den „Unantastbaren“ ist der Protagonist in Schuld verstrickt, aus der er sich kaum zu befreien vermag. Gleichwohl, trotz aller schwarzen Momente, sind die Romane von Price unterhaltsam zu lesen, so unterhaltsam, dass „Cash“ einmal die offizielle Urlaubslektüre von US-Präsident Barrack Obama wurde.

Auch in „Die Unantastbaren“ entlässt Price die Leser nicht ins Ungewisse, ein kleines Happyend gestattet er uns. Damit wir nicht gar so schwarz sehen.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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