Zetel - Es war Sonnabend, der 26. Oktober 2002, und nachdem sich meine Freunde und ich auf meinem 16. Geburtstag am Abend zuvor in den eigenen vier Wänden richtig zerlegt haben und teilweise noch in den Vorgärten der Nachbarn in Varel lagen, sollte es diesen Abend soweit sein. Nach jahrelangem Konsum von Vivas „Club Rotation“ mit der dauernd angeknipsten Daisy Dee und unzähligen Folgen von „Mixery Raw Deluxe“ ging es für mich diesen Abend erstmals in eine richtige Diskothek – ins Mark 4.
Menschenmenge davor
Vorglühen war damals noch ein Fremdwort – wir hatten eh noch genug Restalkohol vom Vorabend in den Adern. Vom Taxi aus sah man schon von weitem die beiden Skybeamer über dem kleinen Örtchen kreisen und um kurz nach 22 Uhr stand schon eine gewaltige Menschenmenge vor der gläsernen Tür. Kurz den Schülerausweis vorgezeigt, dem Türsteher ein möglichst freundliches Gesicht und anständiges „Moin“ entgegengebracht und los ging’s!
Was ich vorher nur aus dem TV oder aus Erzählungen kannte, war in Wirklichkeit noch viel besser, größer, bunter und lauter! Aus dem überdimensionalen Electro-Voice-Soundsystem kam brettharter Electro-Sound. Es lief an diesem Abend Black Music, und nach ein paar Rigo und (wie sollte es auch anders sein) Jägermeister war ich mit dem Virus Nachtleben infiziert! Ab sofort ging es beinahe jedes Wochenende in diese schöne, saubere und freundliche Diskothek in Friesland.
Wenig später fing ich dann bei einer Oldenburger Eventagentur als Promoter an und kam somit jedes Wochenende in die verschiedensten Locations in ganz Deutschland. Auch in meiner absoluten Lieblingsdisco konnte ich dann später auf den Events dieser Agentur arbeiten und lernte das Team, die Gäste und viele Unterschiede des Mark 4 zu anderen Diskotheken kennen.
Jede Flasche im Lager stand mit dem Etikett nach vorne im Regal, die Toiletten waren so sauber wie in einer Sanitärausstellung, die DJs waren absolute Spitzenklasse, im gesamten Laden war Teppich ausgelegt, in dem man nicht einen Kaugummi fand, und auch von der Technik her unterschied sich diese Disco, die viele meiner Freunde auch gerne als „Wohnzimmer“ bezeichneten, von anderen Clubs und Diskotheken. Alles wirkte sehr warm, einladend und freundlich.
Hier traf ich dann auch bei einer Ausgabe von „Black Paradise“ auf Nils, der diesen Abend als DJ mit seinen Plattenkoffern durch den Laden rumpelte und zusammen mit Fab5Finger und Grandmaster Ben den „N-Joy Flavormix“ präsentierte. Einige Jahre und unzählige Jägermeister und Bacardi-Cola später gründeten wir dann „Housedestroyer“.
Nachricht traf mich
Es waren vor allen Dingen diese Nächte im „Wohnzimmer“, die mir auch für die späteren eigenen Clubprojekte in Oldenburg immer ein Vorbild waren und nach denen ich unsere Events und Konzepte auch heute noch auslege. Freundlichkeit, Zuverlässigkeit, Sauberkeit und eigene Ideen – das ist es, was zählt!
Nun schließt diese wahre Institution im Nachtleben schon Ende Juni seine Pforten. Während ich so manche Disco-Schließung in den letzten Jahren mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen habe, traf mich diese Nachricht doch schon ziemlich! Wir verlieren einen Ort, an dem viele tolle Erinnerungen unserer Jugend hängen und der eine große Lücke in der Region hinterlässt!
Ich möchte „Danke“ sagen an Hermann und Jeannette Wilkenjohanns und ihr gesamtes Team für all die schönen Jahre, tollen Momente und 100 Prozent Disco! Ihr und das Mark 4 werdet mir und vielen Nachtschwärmern fehlen! Diesen Sonnabend werde ich noch mal die allerbesten Tanzschuhe auspacken und mir privat eine Nacht im grandiosen Mark 4 gönnen.
