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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Im Netz den Anschluss verloren

21.09.2015

Wilhelmshaven Große Verwirrung machte sich bei der Premiere von „Jenny Jannowitz“ der Landesbühne Nord im Stadttheater Wilhelmshaven breit – nicht nur auf der Bühne bei der Hauptfigur Karlo Kollmar, auch im Publikum war die zu spüren. Regisseurin Tatjana Rese machte es in ihrer rasanten Inszenierung nicht leicht, immer zu folgen.

Immerhin eine Gemeinsamkeit mit Karlo Kollmar, gespielt von Gerrit Bernstein. Der feierte in der Hauptrolle sein Schauspieldebüt und mimte hervorragend den ständig verwirrten IT-Spezialisten, der in seiner eigenen Lebenswelt nicht mehr so richtig mitkommt.

Winter verschlafen

Alles beginnt mit der Erkenntnis, dass plötzlich der 21. März ist und Kollmar scheinbar den Winter verschlafen hat. Panik bricht aus, es ist 8.43 Uhr, kommt er doch zu spät zur Arbeit. Doch seinen Chef, Doktor Pappeldorn (Johannes Simons), scheint das gar nicht zu stören.

Kollmar ist verwirrt. Offenbar ist sein Leben weitergegangen, als er geschlafen hat. Mit ihm oder ohne ihn. Sein Freund Oliver (Sven Brormann) bringt sein Problem auf den Punkt: „Du bist ja Tag und Nacht nur noch im Netz unterwegs, da würde ich auch den Überblick verlieren!“

Das ist des Pudels Kern. Immer mehr Informationen prasseln auf die Menschen ein, es gibt immer schnellere Möglichkeiten der Kommunikation, die Zeit rast gefühlt an einem vorüber. Dieses Gefühl hat auch Karlo Kollmar. Eben ist er noch im Büro, plötzlich steht seine Freundin Sybille vor ihm. Oder hieß sie Sabynne, Sabine oder Simone?

Alina Müller verkörperte wunderbar Kollmars wechselnde Freundinnen, die eigentlich doch immer dieselbe ist. Und auch Kollmars überdrehte Mutter (Ramona Marx) ist keine große Hilfe für seine Probleme, jettet sie doch von einem Kontinent zum anderen, von einer Liaison zur nächsten. Der einzige Kontakt ist das Handy.

Eine Gesellschaft, in der die neuen Medien den Takt vorgeben – im Bühnenbild von Pia Wessels klasse umgesetzt mittels vertonter Piktogramme und kurzen Einspielern, die an einen Wikipedia-Artikel erinnern und die Informationsflut passend symbolisieren.

Ohne viele Worte

Dann tritt die quirlige Jenny Jannowitz auf den Plan und bringt Karlo Kollmars Leben quasi zum Stillstand. Die Figur ist Zenzi Huber wie auf den Leib geschneidert, dank ihrer starken Bühnenpräsenz – auch ohne viele Worte – bekommt das Stück mehr Tiefe und Ausstrahlung.

Doch die hervorragende Leistung der Schauspieler konnte eines nicht verhindern: Die Inszenierung wirkte stellenweise bemüht, die Komik erzwungen. Schnell drifteten die Kommentare der Figuren ins Klamaukige ab, absurder Höhepunkt war eine intime Szene zwischen Kollmar und seiner Freundin, die eigentlich nur peinlich berührte.

Schade drum. So bleibt nach der Vorstellung nur der gedankenlose Griff zum Smartphone, ob man nicht eine wichtige Mitteilung verpasst hat.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
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