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Medien: Ex-Uefa-Präsident Platini festgenommen
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Medien: Ex-Uefa-Präsident Platini festgenommen

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Letzter Ausweg: Weiterleben im Netz

29.07.2017

Im Nordwesten Manche Krisen spielen sich im Verborgenen ab. Wie im Fall der klassischen Heimatmuseen, die mit ihren Gründern in die Jahre gekommnen sind. Von Ehrenamtlichen, inzwischen oft im Rentenalter, mit viel Liebe betreut, sind sie auf dem Land nicht selten die einzige Kultureinrichtung. Man trifft sich zum Klönschnack, aber auswärtige Besucher bleiben aus. Es fehlt an Geld, attraktiven Konzepten, technischem Know-how und professioneller Unterstützung. Doch eine Statistik gibt es nicht, auch keine verlässlichen Zahlen.

Begriff ungeschützt

Rund 560 kleine und kleinste nichtstaatliche Museen gibt es nach Schätzungen des Museumsverbundes in Niedersachsen und Bremen, etwa 150 im Oldenburger Land. „Das ist noch wohlwollend geschätzt, ich fürchte, es sind mehr“, sagt Michael Brandt, Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft. Der Begriff „Museum“ sei nicht geschützt, sagt Oliver Freise vom Museumsverband, auch gebe es keine „Meldepflicht“.

Gütesiegel

Die Jahrestagung des Museumsverbandes Niedersachsen und Bremen hatte im März das Thema „(Kleine) Museen auf dem Weg ins 21. Jahrhundert“. Unter der Überschrift „Kunst und Krempel. Was tun mit Sammlungsgut aus privater Hand?“ findet am 27. Oktober in Oldenburg eine Tagung der AG Landesgeschichte und der AG Museen und Sammlungen der Landschaft statt.

Das Museumsgütesiegel Niedersachsen Bremen soll auch kleine Museen dabei unterstützen, die Qualität ihrer Arbeit zu verbessern. Das Bewerbungsverfahren läuft über ein Jahr, aber stets „im Rahmen der Möglichkeiten“, wie Museumsreferent Oliver Freise betont. Auch stehe der Museumsverband gern beratend zur Verfügung.

Infos: www.mvnb.de

Die Frühjahrstagung in Cuxhaven hat sich in diesem Jahr mit dem Thema befasst. Man suche nach Lösungen, die kleinen ehrenamtlich geführten Museen zukunftsfähig zu machen, sagt Freise, ihnen Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen und den Besucherrückgang zu verhindern. Zu empfehlen sei etwa eine Bewerbung um das Museumsgütesiegel, das die Einhaltung von Qualitätsstandards belegt, ein Sammlungskonzept nachweist und potenzielle Sponsoren überzeugt.

Es gebe vielleicht eine Handvoll kleiner Museen im Oldenburger Land, „deren Existenz gesichert ist“, sagt Antje Sander, Direktorin des Schlossmuseums Jever und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Museen und Sammlungen der Oldenburgischen Landschaft. Wenn Häuser nicht über eine eigene Webseite verfügen und schwer zu erreichen sind, ist Skepsis angebracht. Nur jene Häuser, die sich auf ein bestimmtes Thema konzentrieren, laufen wirklich gut.

Das Postgeschichtliche Museum in Friesoythe ist so ein Haus. Im nächsten Jahr feiert es sein 30-jähriges Bestehen und ist heute im ehemaligen Rathaus „Stadtmitte“ untergebracht – mietfrei. Auf mehr als 300 Quadratmetern informiert es über die Geschichte der Post- und Telekommunikation vom 18. Jahrhundert bis heute. Wolfgang Letztel, früher bei der Deutschen Bundespost beschäftigt, kommt jeden Tag ins Haus: „Das ist nicht bloß ein Hobby“, sagt der 67-Jährige, „das ist ein Job.“

Historischer Briefkasten aus Preußen im Postgeschichtlichen Museum in Friesoythe Bild: PGMF

Im Sommer ist das Museum einmal in der Woche geöffnet, aber die stärkste Klientel sind angemeldete Gruppen – 2500 Besucher verzeichnet Letzel jährlich. Bis zu seinem 70. Geburtstag soll eine Stiftung entstehen, mit der Museum und Sammlung erhalten werden können. Was fehlt, ist ein professionelles Equipment, mit dem sich der Inhalt von 3000 Ordnern digitalisieren lässt. Ein Museumsgütesiegel ist für ihn aber keine Option – zu großer Zeitaufwand, zu hohe Kosten.

Ganz praktische Hilfe verspricht der Kulturverbund Landkreis Friesland, von dem Museumsleiterin Sander berichtet. Er tritt je nach Bedarf beratend und unterstützend auf, so geschehen beim Museum im Landrichterhaus in Neustadtgödens. Seit die Schreibmaschinen aus der Sammlung flogen und man sich auf ein Thema einigte, läuft es gut.

Die Idee war, den Ort selbst und seine Religionsgeschichte zur „Sammlung“ zu erklären. Im 17. Jahrhundert fanden fünf verschiedene Konfessionen in dem Ort eine Heimstatt – Lutheraner, Reformierte, Mennoniten, Katholiken und Juden. Eine Ausstellung im Jahr zu einem religionsgeschichtlichen Thema organisiert das Schlossmuseum. Auch für Fahrradtouristen ist der Ort interessant, da ein Rundweg zu den noch existierenden Gotteshäusern führt.

Professionelle Leitung

Häuser wie das Ammerländer Schinkenmuseum in Apen oder die Moorseer Mühle in Nordenham sind für Besucher/Touristen attraktiv. Auch das Handwerksmuseum in Ovelgönne kann sich nach den Worten von Brandt sehen lassen – seitdem Susanne Schlechter als neue wissenschaftliche Leiterin (halbe Stelle) die Gestaltung in die Hand genommen hat. Träger ist seit dem Jahr 2000 der 80-köpfige Heimat- und Kulturverein Ovelgönne. 2012 hat er das Inventar der 300-jährigen Ovelgönner Apotheke im letzten Moment gerettet. Studenten der Uni Oldenburg, erzählt Schlechter, hätten 2013 dazu sechs Hörstationen entwickelt. Dass das auch technisch klappt, ist einem Ehrenamtlichen zu verdanken.

Andere haben es nach wie vor schwer. Und oft stellt sich die Frage, wohin mit der Sammlung, wenn sich nach dem Generationswechsel niemand mehr findet, der das Museum weiterführt? Im Fall des „Minimuseums“ Ellenserdamm, das 1985 von der Heimatforscherin Elisabeth Meyer gegründet wurde und in drei Räumen ihres Privathauses untergebracht war, ergab sich eine Lösung.

Das kleine, mit alten Objekten vollgestopfte Heimatmuseum – Elisabeth Meyer hatte eine Vorliebe für historische Textilien – wurde nach ihrem Tod 2011 vom Schlossmuseum Jever übernommen. Nachdem die Sammlungsstücke gereinigt, vom Schimmel befreit, inventarisiert und magaziniert worden waren, sind einige in der Dauerausstellung zu sehen. Aber auch der große Rest ging nicht verloren: Das „Minimuseum“ existiert online weiter – auf der Webseite des Schlossmuseums.

Regina Jerichow Stellv. Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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