IM NORDWESTEN - Sie hat es tatsächlich getan. In Band sieben der Harry-Potter-Saga hat Autorin Joanne K. Rowling alles zu dem Zauberlehrling, seinen Freuden und Feinden geschrieben, was es noch zu schreiben galt. Die Antworten sind gegeben, Fragen bleiben keine.

Weder sich selbst noch ihren Figuren täte die Britin einen Gefallen, sollte sie das letzte Hintertürchen, das sie sich in dichterischer Freiheit gelassen hat, aufstoßen und einen achten Roman nachlegen. Denn: Der finale Kampf zwischen Gut und Böse, auf den die Leserschaft mit tausenden Buchseiten vorbereitet worden war, ist entschieden. Und gesiegt hat? – Joanne K. Rowling.

Mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ findet die 42-Jährige zu neuer literarischer Stärke (sieht man vom arg kitschigen Epilog ab). Rowling zeichnet die Charaktere feiner, setzt Grautöne neben Schwarz und Weiß. Schatten fällt auf Helden, Licht auf Bösewichte. Das in der deutschen Fassung 740 Seiten starke Buch hält viele spannende Wendungen bereit. Auf vordergründigen Horror wird – anders als beim Vorgänger „Harry Potter und der Halbblutprinz“ – weitgehend verzichtet. Man liest Band sieben allerdings an, dass einige Effekte und Dialoge gezielt auf eine spätere Verfilmung hingeschrieben wurden.

Harry ist inzwischen 17 Jahre alt und damit als Zauberer mündig. Mit seinen besten Freunden Ron und Hermine, bei denen es zwischenmenschlich gewaltig kriselt, schickt er sich an, endlich Lord Voldemort – das personifizierte Übel – aus der Welt zu schaffen. Und da auch Magier an ihren Aufgaben wachsen, entwickelt sich der ungestüme Bursche mit der Nickelbrille zu einem ernsthaften jungen Mann mit Durchblick.

Arztgattin Rowling nimmt ihre Leser auf eine fantasievolle Abschiedstour durch Potters zauberhafte Welt mit und führt dabei alte Handlungsstränge zusammen. Die dreifache Mutter fertigt einen kunstvollen Flickenteppich, bei dem alle Nähte halten und der die Präsentationsfläche für so manche einst eingeführte Figur bildet, die selbst eingefleischte Fans inzwischen vergessen haben dürfte. Rowlings großes Verdienst: Aufgesetzt oder gar an den Haaren herbeigezogen wirkt da nichts.

Auch wenn die Autorin mit den „Heiligtümern des Todes“ die Heimat der Elfen, Einhörner und Hexen verlassen hat – bei ihrem Einfallsreichtum darf man sich auf künftige, vermutlich nicht minder fabelhafte Geschichten freuen.