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Zum Geburtstag Surminskis Im Paradies der Erinnerung

Reinhard Tschapke

Hamburg - Darf man das alte und schöne, so aussagekräftige und doch irgendwie längst nostalgische Wort Heimat auf einen Bestsellerautor beziehen? Ja, natürlich darf man das. Und dieser Autor ist sogar ein Heimatschriftsteller im besten Sinne des Wortes. Indes: Er gehört auch zu jenen, die ihre Heimat verloren haben. Seine großen Themen sind daher Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten und speziell aus Ostpreußen.

Eltern 1945 deportiert

Der Schriftsteller kennt das Thema Heimatverlust leider viel zu gut. Arno Surminski wurde vor 80 Jahren am 20. August 1934 im ostpreußischen Jäglack als Sohn eines Schneidermeisters geboren. Seine Eltern wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 durch die Rote Armee in die Tiefen der Sowjetunion deportiert. Der Junge blieb allein in Ostpreußen zurück. Er wäre verhungert, hätte man ihn nicht von dort vertrieben, erzählte er einmal.

Die Todesdaten seiner Eltern erfuhr Arno Surminski erst im Laufe des Jahres 2000 durch den Suchdienst des Roten Kreuzes. 1947 nahm eine Familie mit sechs Kindern in Schleswig-Holstein schließlich den Jungen auf. Er machte eine Lehre im Rechtsanwaltsbüro und hackte zwei Jahre lang Holz in den Wäldern Kanadas. Seit den 1960er Jahren arbeitete Surminski dann in der Rechtsabteilung einer Versicherung. Seit 1972 lebt er als freier Schriftsteller in Hamburg.

Surminski entwirft in seinen Romanen und Erzählungen oft die Erinnerung an eine nur auf den ersten Blick idyllische Welt vor dem Zweiten Weltkrieg. Da gibt es putzige Gänse, die die Radfahrer im Dorf attackieren. Da isst man noch handbreit dicken Speck, ohne an Cholesterinwerte zu denken. Aber niemals lässt Surminski diese Welt in Kitsch oder Heimattümelei versinken, indes am Ende naturgemäß in Schutt und Asche.

Sein Stil ist realistisch, fast unterkühlt. Er erzählt Geschichte in Lebensgeschichten kleiner Leute. Seine Schilderungen sind farbig, humorvoll und mitreißend. Da gibt es etwa den Hermann Steputat im Roman „Jokehnen“, die Geschichte eines Jungen, der viel mit seinem Autor gemeinsam hat. Und „Kudenow“ erzählt von der Ankunft der Flüchtlinge im Westen: Wie ein Junge als Heimatvertriebener mit seiner Familie im Hühnerstall eines Bauern haust, verflucht von den Einheimischen, umgeben von jammernden Flüchtlingen, die in Notunterkünften glauben, sie könnten doch in den nächsten Monaten wieder nach Ostpreußen zurück. Was, wie wir heute wissen, ja ein Irrtum war.

Karthago und Königsberg

Flucht und Vertreibung liegen Jahrzehnte zurück. Vom alten Königsberg werden künftige Generationen erzählen, als wären es die Ruinen von Karthago. Die Vorkriegswelt lebt nur in den Köpfen oder in der Literatur, und dafür sorgt auf wunderbare Weise nach wie vor Arno Surminski.

Er zeigt uns, dass die Erinnerung das einzige Paradies ist, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Jedenfalls nicht gleich.

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